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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Weimarer Konferenzen.

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wünschte, indem der Börscnvcrein eine Norm zulässigen Rabatts fest-setzen und den Verlag zur Nichtlieferung an Schlcudcrfirmen verbindensollte, und der einer extremen Vcrlcgerpartei, die, die Ansichten CarlRuthardts vom Jahre 1848 erneuernd, jeden Rcformvcrsuch zum Schutzedes Ladenpreises rund ablehnte, indem sie erklärte: ein Mittel zur Auf-rcchterhaltung des Ladenpreises sei nicht vorhanden und nicht zu schaffen;alles, was man dahingehend versuchen wollte, würde nichts bessern undnur ein üppiges Angcbertum großziehen.

Es waren die Süddeutschen, zuerst der Vorsteher des SüddeutschenBuchhändlervereins, E. Rohmer, selbst, die, aus den frischen Eindrückender Verhandlungen heraus, die in den letzten Jahren in ihren Vereinengepflogen worden waren, jenen dritten Gesichtspunkt zur Geltung brachten.Das erste Erfordernis zur Reform, meinte Rohmer, sei die Neu-bclebung des korporativen Geistes, die Gliederung in Lokal- undProvinzialvcreine, die in ihren engeren Kreisen zunächst sich über dieVerhältnisse aussprächen, sich schlüssig machten, gewisse Vereinbarungenträfen, und nur da, wo allgemeine und gemeinsame Interessen in Fragekämen, sich an die Centralstelle zu wenden Hütten. Dieselbe Grund-anschauungdaß das Sortiment für den Verlag notwendig sei, dieSchleudern also vom Buchhandel zu gesamter Hand zu bekämpfen sei,dieser Kampf aber solange unmöglich sei, als es an genügender Ver-einigung der Sortimcnter fehle, entwickelte nach Rohmer Adolph Kröner,und zwar zugleich im Namen und Auftrag einer großen Anzahl an-gesehener Stuttgarter Bcrufsgenosscn. Er wandte sie noch mehr nach derpraktischen Seite. Vom Börscnvorstcmd ausgehende, den Geschäftsbetriebder Einzelnen betreffende Maßregeln mußten in weiten Kreisen desBuchhandels, vor allem des Vcrlagöbuchhaudels, als Eingriffe in ihreEigentumsrechte aufgefaßt werden, denen man freiwillig sich zu fügenkeineswegs gewillt war; wenn dagegen die Sortimcnter sich vereinigten,wenn sie über gewisse Maßregeln schlüssig wurden, wenn sie: die Kundender Verleger, den Verlegern: ihren Lieferanten gegenüber ihre Wünscheaussprächen und dagegen gewisse Versprechungen leisteten, namentlich derenVerlag vorzugsweise zu befördern und zu unterstützen, soweit es in ihrenKräften lag: dann war die Sache eine ganz andere. Statt des Regimentsalso der Kunde, statt des Einzelnen die Gesamtheit. Kröner umriß sogleichweiter, was zu thun sei, wenn vom Wort zur That geschritten werden