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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
539
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Oskar von Hase und Johannes Grunow . Kröner Erster Vorsteher. 5Z9

Börsenvcrcins zu cincr sämtlichewirklichen" Buchhändler umfassendenInnung", erhoben von einem Leipziger Verleger. Der Verband imBegriffe, von seiner Seite her den einheitlich organisierten Kampf gegendie Schleuderet zu eröffnen.

So lagen die Dinge, als der Kcmtatcsonntag des Jahres 1882Adolf Kröner in das Amt des ersten Vorstehers berief. Der Grund-satz, daß der Börsenverein mit den wichtigsten Fragen, die seine Mit-glieder beschäftigten, nichts zu schaffen haben könne, hatte die Begründungdes Verbandes zur Folge gehabt. Und nun war es dahin gekommen,daß sich neben Vorstand und Generalversammlung des BörsenvcrcinscineNcbenrcgicrnng", einNcbcnparlcnncnt" gebildet hatte, das diebei weitem wichtigeren, jedenfalls praktisch dringlicheren Angelegenheitendes Buchhandels zum Gegenstande seiner Thätigkeit machte und von Jahrzu Jahr an Bedeutung gewann. Sollte der Börsenvcrcin genötigt sein,einer Dascinsfragc des Buchhandels, der Schleudcreifragc gegenüber invölliger Unthätigkcit zu verharren? Sollte es ihm wirklich unmöglichbleiben, nicht wenigstens einen Versuch zur Beseitigung der durch dieSchleuderet hervorgerufenen Übclstände zu wagen? Er sollte oder wolltedazu nicht berechtigt sein. Aber hier, in den Bestrebungen des um diewichtigsten Existenzbedingungen seiner Mitglieder ringenden Verbandes,waren neue Thatsachen, war ein neuer geschichtlicher Inhalt, den Körperdes deutschen Buchhandels als Wirklichkeit erfüllend und durchdringend.Sollte der Börscnverein die Interessenvertretung seiner Mitglieder sein,die zu sein er beanspruchte, und, so lange er bestand, zu sein verpflichtetwar, mußte dann nicht der Verband mit ihm in einen organischen Zu-sammenhang gebracht, ihm in irgend einer Form untergeordnet werden?Es handelte sich dabei um andere Motive als etwa die der Eifersucht,andere Notwendigkeiten als die, dem Börsenvcrcin, um ihn bei existenz-bcrcchtigtcm Leben zu erhalten, neue Aufgaben zuzuführen, während esin Wirklichkeit gleichgültig gewesen wäre, ob er oder der Verband denKampf gegen die Schleuderet in die Hände genommen hätte: ein Haupt-punkt im Widerstand der Verleger bestand darin, daß sie erklärten, vonder ihnen cmgesonnencn Verpflichtung einer Rabattrcduktion könne zwarwohl cincr unparteiischen, objektiver urteilenden Stelle gegenüber die Redesein, etwa dem Vorstand oder einem Ausschusse des Börsenvcrcins gegen-