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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Kröners Statutenrcvisionsprojekt 1832.

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Dcs Genaueren ging Kröncrs Statutenrevisionsprojekt dahin, daßstatt des Verbandsvorstands künftig der Börsenvereinsvorstand eine Auf-forderung an seine Verlegermitglieder ergehen lassen solle, sich freiwilligzur Verkürzung des Rabatts Schleudercrn gegenüber zu verpflichten.Über das Inkrafttreten der Verpflichtungen hatte dann auf Antrag derLokal- und Provinzial- oder Kreisvercinc der Börscnvereinsvorstandstatt des Verbandsvorstands zu beschließen. Dazu mußte der Börsen-Verein durch entsprechende Erweiterung dcs Statuts (Z 10) in die Mög-lichkeit versetzt werden, prinzipielle Schlcudcrcr, d. h. solche, die zurGrundlage ihres ganzen Geschäftsbetriebs das Prinzip machten, zu Preisenzu verkaufen, bei denen ein solider, über das ganze Absatzgebiet ver-breiteter Sortimentshaudcl nicht mehr bestehen konnte, aus dem Börsen-Verein auszuschließen, und natürlich mußten dann Mittel und Wege ge-funden werden, um den Ausschluß auch mit wirklichen, greifbarenNachteilen für den Betreffenden zu verbinden: zunächst Entziehung desBörsenblattes und der Bcstellanstalt, letzteres auf Grund eines mit derLeipziger Deputation zu treffenden Abkommens.

Kröner erklärte mit Betonung, daß von einer Inangriffnahmeseines Projektes nur die Rede sein könne, wenn einigermaßen günstigeAussichten für dessen Annahme in der Hauptversammlung vorhandenseien; und in dieser seien, wenn es sich um eine Statutcnrevision hnudlc,durch ihr numerisches Übergewicht die Leipziger uud Berliner Buch-händler ausschlaggebend. Er besprach deshalb das Projekt mit ciucrAnzahl maßgebender Leipziger und Berliner Buchhändler. Die Leipziger Versammlung verwarf es fast einstimmig oder wollte es mindestens ver-tagt wissen; aus der Berliner Versammlung schied Kröner mit derÜberzeugung, daß es von ihr gutgeheißen sei: uud auf Grund davonwagte er es, an die Ausführung seines Projektes heranzutreten.

Kröners Statutenrcvisionöprojckt kam zur Verhandlung in denVorstandssitzungcn vom 11. und 12. Oktober 1882. Emil Morgen-stern, Josef Bielefeld und Wilhelm Spcmann traten dafür ein, HermannHacssel verwarf es und vertrat den Standpunkt Adolph Enslins inder Hauptversammlung vom Jahre 1880. Eine Abstellung der Schädenkönne nur durch Abänderung der zwischen Verleger und Sortimcutcrbestehenden Rabattvcrhältnifsc herbeigeführt werden, d. h. durch Kürzungdes VcrlcgcrrabattS (resp. Einschränkung der Partie-Offerten und der