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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Rcformbcwegung bis 1889.

progressiven Nabattskcila). Nicht die Sortimentcr, selbst nicht diejenigen,deren Geschäftsbetrieb auf Schleudern gegründet sei, seien die schlimmstenSchlcuderer, sondern vielmehr gewisse Verleger, die durch Anerbictungcneines bisher unerhört hohen Rabatts und durch Lieferung von Frei-exemplaren geradezu zur Schleudern aufforderten und sie begünstigten.Hier einzugreifen, seien in erster Linie die Vcrlegcrvereinc berufen; derBörsenvcrein habe die Interessen des gesamten Buchhandels zu vertretenund zu Pflegen und dürfe sich nicht in die Interessen des Einzelneneinmischen. Parey sprach sich einigermaßen schwankend aus; es seiweder erwiesen, daß die gegenwärtigen Bestimmungen des Statuts zurBekämpfung der Schleudern nicht hinreichten, noch, daß der Ausschlußder Schleuder-Sortimentcr aus dem Börsenvcrein Erfolge vcrsprcHe:seiner Ansicht nach war ein Erfolg nur möglich, wenn der Börsenvcreinzu einer alle deutschen Buchhändler umschließenden Innung erweitertwurde, dergestalt, daß Nichtmitgliedcr überhaupt nicht als Buchhändlerbetrachtet wurden und Bücher mit Buchhändlcrrabatt überhaupt nichtbezichen konnten.

Die Verhandlungen wurden geschlossen, die Fragen formuliert(Bekümpfuug der Schleudern durch Ausschluß der prinzipiellen Schlcudereraus dem Börsenvcrein und Anrufen der Verleger; organischer Zusammen-hang des Provinzialvcrbaudes mit dem Börsenvcrein), die Abstimmungwurde begonnen. Da erbat noch einmal Parey das Wort und erklärte:Kröncr habe ausgesprochen, daß er die Ausführung seines Projekts aufGrund der Zustimmung wagen wolle, die es in der Berliner Konferenzgefunden habe; er, Parey , fühle sich in seinem Gewissen gedrungen,noch in letzter Stunde, bevor der Vorstand den folgenschweren Entschlußciucr abermaligen Statutenänderung fasse, seiner Überzeugung Ausdruckzu geben, daß die Voten der Berliner Kollegen bezüglich des Revisionö-projckts für die dercinstigc Abstimmung Berlins in dieser Angelegenheitnicht unbedingt als maßgebend angesehen werden könnten. Die Votenseien zum Teil sehr bedingte gewesen. Kröners Revisionsprojekt habein Berlin nur insoweit Aussicht, als es die Unterordnung des Ver-bandes unter den Börsenvcrein betreffe, nicht aber insoweit, als es auchden Ausschluß der Schlcuderer aus dem Börsenvcrein anstrebe. Damitwar die Grundlage, auf die Kröner sein weiteres Vorgehen hauptsächlichgestützt hatte, hinfällig geworden. Kröner sah ein, daß er dem Verein