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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbcwcguug bis 1889.

vcrcin, traten in den vorgenannten Jahren die OrtSvcrcinc zu Würzburg ,Frankfnrt a. M., München, Elberfeld-Barmen, Wiesbaden, Dresden ,Braunschweig, Hannover, Hildcsheim und die Krcisvcrcine Mitteldeutsch-land, Königreich Sachsen, Schlesien, Kreis Norden, Württemberg, Mecklen-burg, Elsaß-Lothringen, Bayern, Ost- und Wcstpreußcn, Hannover -Brannschwcig, Sachsen-Thüringen, und in dem Verband der Orts- undKreisvcreine waren sie organisch zusammengefaßt worden. Was geschahaber angesichts dessen von Seiten der Verleger? Es gab gewiß sogarunter denen, die die Erklärung vom 10. Juni 1882 nicht unterschriebenhatten, hervorragende Verleger, die in besonders schweren Fällen sehrentschieden im Sinne der Bcrlcgererklürnng vorgingen und den Kampfgegen die gewohnheitsmäßige Schleudern wesentlich uutcrstützten. Andrer-seits aber machte sich noch immer sogar die Haltung nicht undeutlichbemerkbar, die in der Anschauung ihren Grund hatte: der Schleuderersei des Verlegers bester Abnehmer, und sich auf die Erfahrung berief,daß das Sortiment dem Verleger als Ersatz dafür nicht genügen könne.Und von der Gesamtheit der Verleger wurde jedenfalls nicht einmal derVersuch unternommen, ans Grund der vom Sortiment ins Leben geru-fenen BcrcinSbilduug das in Weimar aufgesteckte Ziel zu verwirklichen.Die Vcrlcgervercinc verharrten grundsätzlich auf dem Standpunkt, daßdie Inangriffnahme der Reformfrngcn nicht ihre Sache sei; sie seienAbrcchnungsvcreinc und nichts anderes, ihre Aufgabe sei die, die pekuniärenInteressen der einzelnen Mitglieder zu vertreten und nichts mehr; wolleman darüber hinausgehen, so würden die Vcrlegcrvcrcinc gesprengt werden.Ein neuer großer deutscher Berlcgcrvcrciu, der allein die Bekämpfung derSchleuderet als seine Aufgabe betrachtet hätte, entstand aber auch uicht.Die Unruhe im Sortiment stieg. Von Verlag und Börsenverein imStich gelassen, wurde mau in alte Bahnen getrieben und rief: DieGcwcrbcfrcihcit muß >,für uns und durch uns berichtigt werden"; derStaat sei verpflichtet, den Sortimenter als Vermittler der Geisteswarcgcnan so zu schützen wie den Apotheker.

Der Vcrbandövorstnnd seinerseits bewahrte Ruhe und Zuversicht,that alles, was in seinen Kräften stand, um durch immer festeresZusammenschweißen der Sortimenter im Sinne der in Weimar auf-gestellten Ziele die Grundlage zu schaffen und zu befestigen, auf derder Verlag früher oder später sich mit dem Sortimentsbuchhandel ver-