Zurückhaltung der Verleger. „Blaue Erklärungen." Mcißnerschc Resolution. 545
einen sollte, und versandte im Juli 1883 die sogenannten „blauenErklärungen", durch deren Unterzeichnung der Sortimenter sich ver-pflichtete, keinen Kundcnrabatt von mehr als 10 "/<> und keine ent-sprechenden Vergünstigungen zu gewähren und jedes öffentliche Angebotvon Rabatt in ziffernmäßiger oder unbestimmter Fassung zu unter-lassen. Antworten in großer Zahl liefen ein, die die Verpflichtungfür unmöglich erklärten, solange der Sortimcnter mit der Schleuderetnamentlich von Leipzig und Berlin oder durch Buchhändler am Ortund den Rabattanfordcrungen der Behörden zu rechnen habe; indessenfanden die Erklärungen auch über 1000 Unterzeichner. Als je schwierigerund langwieriger es sich aber zeigte, dem in fertigen Vereinen fertiggeordneten und im Verbände zusammengefaßten Sortimentsbuchhandeldie durchgreifende Unterstützung zu gesamter Hand seitens des Verlags-buchhandels zu gewinnen, desto dringender wurde das Verlangen, dieUnmacht, zu der so die Reformpartci schließlich verurteilt bleiben mußte,dadurch zu beheben, daß sich der Börsenvcrein selbst mit seiner Autoritätin festgeordnetcr Weise für die Aufgaben des Verbandes einsetzte. Hierwar nun schon zu Kantate 1883 (22. April) gegen den von Eduard Brock-haus geleiteten Widerstand eine von Carl Meißner aus Elbing ein-gebrachte Resolution angenommen worden, nach der die Vorstände desBörscnvereins uud des Verbandes der Provinzial- und Lokalvereinegemeinsam darüber beraten sollten, „in welcher Weise die allseitig an-erkannten, im deutschen Buchhandel herrschenden Mißstände bezüglich derSchleuderet gelindert oder beseitigt werden könnten dadurch, daß derBörsenvcrein die Erledigung der schwebenden Fragen in den Kreis seinerWirksamkeit ziehe und eventuell durch Erweiterung zu einer Innung desdeutschen Gesammtbuchhandels einer Lösung cntgcgenführe". Der Ver-band trat dem Gedanken der Beteiligung des Börsenvereins an der vomVerbände ins Leben gerufenen und organisierten Bekämpfung der Schleu-deret vorsichtig und maßvoll näher. Es gab eine Verlcgerpartei, dieerklärte, sich niemals der lediglich Sortimcntcrintercsscn vertretendenVerbandsleitung unterwerfen zu wollen; es gab aber auch eine andere,die eine Mitübernähme der vom Verbände geübten Exekutive durch denVorstand des Börscnvereins als gleichbedeutend mit einer Sprengungdes Börsenvereins ansah. Der Verband, in der Absicht einerseits, dieMacht, soweit er sie sich geschaffen hatte, sich nicht entrissen und bei der
Geschichte des Deutschen Buchhandels. IV. 35