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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.
Auskunft darüber, welche Schritte er gegen das Berliner Sortiment zuthun gedenke, um es „unter den Willen der Gcsammtheit zu zwingen",sodaß am 1. Januar 1889 „wirklich klare Verhältnisse im ganzendeutschen Sortimente" vorlägen.
Unterm 15. November erklärte, genau wie einige Jahre vorher,der Berliner Magistrat, daß er denjenigen Rabatt benutze, welcher ihmvon leistungsfähigen Buchhändlerfirmen angeboten werde. Am 16. No-vombcr erhielt der Börscnvcrcinsvorstand vom Vorstand der Berliner Vereinigung die bündige Erklärung: daß „der Berliner Sortiments-buchhandel nicht in der Lage sei, im Berliner Lokalverkchr den zulässigenMaximalrabatt auf weniger als I0"/<, vom Ladenpreise zu bemessen."
Nun verließ den Börscnvcrcinsvorstand die Kraft. Ohne die Be-kanntmachung vom 28. Juni vorher aufzuheben, gestattete er den Sorti-mcntern des Vereins Berliner Börsenvereinsmitglieder den Rabatt von10 "/g. War die Bekanntmachung vom 28. Juni ein Widerspruch gegendie Satzungen, so war die Nachgiebigkeit gegen Berlin wiederum einWiderspruch gegen die Bekanntmachung vom 28. Juni. Der Vorstandsuchte dieses Bedenkliche der Lage zwar dadurch abzuschwächen, daß ernamentlich den Leipziger Buchhandel darauf hinwies, daß die Berliner Ausnahme ja nur für den Berliner Bezirk selbst Geltung habe. Aberdas schaffte weder formell jenen Widerspruch aus der Welt, noch wares sachlich richtig. Es gab Berliner Handlungen genug, die den Rabattvon 10"/« keineswegs auf Berlin beschränkten, und nicht nur dem Bor-stand des Vereins der Buchhändler zu Leipzig wurden die Nachweisedavon geliefert, sondern dem ganzen deutschen Buchhandel war das be-kannt. Jedenfalls hatte jener Hinweis so wenig Durchschlagskraft, daßam 21. Januar 1889 auch der Verein der Buchhändler zu Leipzig denRabatt wieder auf 10"/„ erhöhte, und der BörsenvcrcinSvorstand konntenichts thun, als auch ihn wieder zu „genehmigen". Damit wäre mandenn so weit gewesen, wie unmittelbar nach Kröncrs Abgang; allein manwar in der That unendlich viel weiter zurückgeratcn, indem man ge-wollt und nicht gekonnt hatte. Das Vertrauen in die Stetigkeit undSicherheit der Leitung und das Vertrauen auf eine allmähliche undstetige Entwickelung einem endlichen allseitig befriedigenden Abschluß zuwar gewichen und damit selbst das untergraben, was bisher gewonnengewesen war.