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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.

Zunahme der Verstärkung, Verlebendigung und Verbreiterung geistigenund wirtschaftlichen Werdens; einer einheitlichen Welt also sowohl inihrer Breiten- wie in ihrer Tiefenentfaltung.

Der Buchhandel bestätigte und bekräftigte die Grundsätze einerOrganisation, die in denselben Jahrhunderten ihn tragend und gestaltendemporgewachsen waren, mitten in einer Zeit, die in beiden Hinsichtenjede frühere übertraf. Sie warf Kräfte empor, die das alte Gefüge zuzersprengen drohten und breit darüber hinauszufluten drängten; aber esschuf auch neue Tiefen.

Inmitten jener Arbeiten derOrdnung" entfaltete sich die Rich-tung der Divergenz und Verbreiterung, wie nie zuvor, neue Typenschaffend, die zu den bezeichnendsten ihrer Zeit gehörten, das Warenhaus,das Großantiquariat; begleitet von einem neuen Ausschwung des Reise-buchhandels und des sogenannten Auchbuchhandels. Zu Ende der acht-ziger Jahre zeigten sich die ersten Anfänge eines Warenhausbuchhandels,mit Bilderbüchern und Jugendschriften, deren Vertrieb das Sortimentnoch wenig berührte; zu Anfang der neunziger Jahre begann schon eineAusdehnung des Buchhandels einzelner Warenhäuser auf das Gebietgangbarer Bücher überhaupt. Wenn man gegenüberstellen will: hier dasSortiment, sei es in mehr oder weniger erstrebter und durchgeführterSpezialisierung oder als Universalsortimcnt, mit seinem zum Teil bedingtenBezug vom Verleger und Barsortiment, bereit und gerüstet zu Auskunftund Beratung, Besorgung und Probesendung; dort das Warenhaus mitseinen festen Großkäufen von Großsortiment und Fabrikverlag, gangbareBücher, und keineswegs nur inhaltlich schlechte, für die unbemitteltenBevölkerungsschichten, die den Weg zum Sortimenter kaum finden, zubilligem Barankauf aufstapelnd; dort endlich derBuchführer" alter Zeit,sei es als Reisender, sei es als Kolporteur, höhere und niederste Bevöl-kerungskreise unermüdlich aufsuchend.

Der Geist litterarischer Kultur strebte mehr denn je in die Weiteund Tiefe in einer Weise, die die große Kluft zwischen den verschiedenenAufnahmeschichten, nicht in äußerlicher, aufklärerischer, der tiefen Schichtin Inhalt und Form unverständlicher Art, sondern von innen her zuüberbrücken suchte, ähnlich, wie erst moderne Kunst, modernes Buch-gewerbe, moderner Verlag auch dem Kinde und der Schule unser Bestesals das für sie Beste darzureichen begonnen haben.