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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Schlußbemerkungen,

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Bundesstaaten überhaupt nur mit fünf Staaten des Auslandes denfünf obengenannten Litterarkonventioncn bestanden: mit ihnen aberhatten nicht etwa die sämtlichen deutschen Bundesstaaten, sondern es hattenimmer nur einzelne Bundesstaaten mit einzelnen ausländischen StaatenKonventionen abgeschlossen; die Zahl dieser Einzelvcrträge betrug nichtweniger als 36. Der Bdrscnvereinsvorstand nahm die Arbeit neu auf,eine Beseitigung dieser gcschäftshemmendcn zersplitterten Verhältnisse her-beizuführen, und nun mit Erfolg; als Kröner im Jahre 1888 die Weihedes neuen deutschen Buchhändlcrhciuscs vollzog, bestanden schon Verträge,die mit den genannten fünf Staaten seitens des Deutschen Reichs ab-geschlossen waren. Ein neuer und folgenreicher Schritt aber wurde ge-than, als auf dem internationalen Kongreß zu Rom im Jahre 1884 derGeneralsekretär des Börsenvcrcins der deutschen Buchhändler dereinzigen buchhündlerischen Korporation, die am Kongresse teilnahm dieIdee entwickelte, zur umfassenden Regelung des UrhcbcrrechtsschutzcS aufdie Begründung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werkender Kunst und Wissenschaft nach Analogie des Weltpostvereins hinzu-wirken: es war die Grundidee der am 9. September 1886 zu Bern abge-schlossenen internationalen Übereinkunft, durch die Deutschland, Frankreich ,Großbritannien, Italien, Belgien, Spanien, Haiti, Liberia, die Schweiz und Tunis einen Verband zum Schutze von Werken der Littcratur undKunst bildeten und allen übrigen Staaten den Zutritt dazu offen ließen.

Die Jahrhunderte schritten vom ungeschriebenen, schwankenden undmannigfaltigen Herkommen zur geschriebenen, festen und einheitlichenOrdnung", von der Willkür des Einzelnen zur Regel der Allgemein-heit, von besonderer Bevorrechtung zum Recht des Gesetzes, das für allegleich ist, aber auch zum Recht der Leistung, das jeder täglich neu zuerwerben und zu bewähren hat.

Denken wir uns die mannigfachen Abschnitte solcher Entwicklungals zahlreiche parallele Ebenen horizontal übereinanderliegend: durch siehindurch geht in senkrechter Richtung der beständige Strom des Aus-cinandcrgehcns und Sichvcrbreitcus und des Zusammcnschlicßcns undSichvcrtiefens des litterarischen Bedürfnisses, der Produktion und desVertriebs. Und schriftstellerische Produktion, Unternehmung des Verlegers,Vertrieb, Aufnahme: ihre Träger sind bei dem allen nicht Träger ge-trennter Welten, sondern einer gemeinsamen Welt gemeinsamer ständiger