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'Wirtschaftswissenschaft?' / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Schulze-Gaevernitz.

wirtschaftlichen Kapitalbegriff Fortschritt vom Geld als allge-meinem Tauschgut zum Geld als ideeller Wertquote Fortschrittvon der Notenfreiheit zur Zentralnotenbank usw. Die AllgemeineNationalökonomie sammelt so den Begriffsinhalt der Wirtschafts-geschichte - i.) das, was vom Wirtschaftsleben im allgemeinen,2.) das, was gemeinsam von Westeuropa gilt, ohne England, Frankreich ,Deutschland zu nennen und stellt es in systematisch-chronologischerFolge an der Hand eines allgemeinsten Entwicklungsschemas dar, dasseinen geschichtlichen Ursprung nicht verleugnet. Ein solcher Aufrißwäre mit allem Vorbehalt etwa folgender:

x. Natürliche Voraussetzungen des Wirtschaftslebens: Naturund Bevölkerung.

2. Allgemeine Tatsachen alles Wirtschaftslebens: Bedürfnis,Arbeit, Werkzeug, Gut, Wert, Produktion,Konsumtion.

3. Allgemeine Tatsachen der Tausch Wirtschaft: Tausch,Preis,Geld,Lohn,Kapitalzins,Grundrente.Höchster Typus der Tauschwirtschaft: Kapitalismus .

4. Allgemeine Tatsachen der K r e d i t Wirtschaft: Kredit, Bank,Kreditbank, Notenbank, Bodenkredit. Höchster Typus derKreditwirtschaft: Effektenkapitalismus.

5. Allgemeine Tatsachen der G e s a m t (Kollektiv-)Wirtschaft:Kartell, Genossenschaft, Kommunal- undStaats Unternehmung, Zentralbank.

Der allgemeinen Nationalökonomie gegenüber steht die spezielleN ationalökonomie, welche die Wirtschaftsentwicklung dereinzelnen Völker mit dem Begriffsmaterial der Allgemeinen National-ökonomie, aber gerade in ihrer Eigenart, darstellt. Für uns istaus wirtschafts politischen Gründen Gegenstand der speziellenNationalökonomie die deutsche Volkswirtschaft derGegenwart als verankert in der jüngsten Ver-gangenheit.

Es bleibt noch die Frage nach der Bedeutung derTheorie"im engeren Sinne, d. h. der klassischen Nationalökonomie der Eng-länder und ihrer Nachfolger, sowie der neueren deutschen Privat-wirtschaftswissenschaft .

Die klassische Nationalökonomie ist nichts anderes als ein Anwen-dungsfall des typischen Verfahrens, wobei die Verhältnisse einer zurKonkurrenzwirtschaft" gesteigerten Tauschwirtschaft als unverändertangesehen und im Gleichgewicht befindlich vorausgesetzt werden.Als Causa der Veränderungen wird sodann der individualpsycho-logische Faktor des Strebens nach größtmöglichem Ertrag isoliert.