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'Wirtschaftswissenschaft?' / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Schulze-Gaevernitz.

liehe Schulung soll unsere Nationalökonoxnen veranlassen, zunächstbewußt privatökonomisch zu denken, aber auch des Endpunktes sichbewußt zu werden, an dem die volkswirtschaftliche Betrachtung dieprivatwirtschaftliche ablöst. Es wäre kein geringer Erfolg des Ein-bruchs der Privatwirtschaftler in die schulmäßige Nationalökonomie,wenn wir in Zukunft scharf und bewußt scheiden lernten: Wo sprichtder Privatwirtschaftler, wo der Sozialökonom ? Hinsichtlich der Be-griffsbildung wird man mit Vorteil den privatwirtschaftlichen und volks-wirtschaftlichen Begriff der Wirtschaft, des Kapitals usw. scheiden;überall wird man die privatwirtschaftliche Verursachung von der volks-wirtschaftlichen Funktion einer Wirtschaftsinstitution sondern.

Endlich: Der nationalökonomische Student von heute strebt invielen Fällen der Praxis der Industrie, des Handels und des Bankwesens-zu. Es ist erwünscht, daß dasjenige Geschlecht, das in mehr oderminder leitender Stellung den Vormarsch der deutschen Arbeit indas Reich diesesirdischen Weltwesens" anführen soll, vom erfrischen-den Lufthauch der Universität berührt sei und hier aus dem wieder-erschlossenen Quell des deutschen Neuidealismus geschöpft habe. Mögees hier lernen, daß das Geld zwar ein mächtiges Mittel darstellt, daßaber der, welcher es zum letzten Ziele macht, ein armer Menschist, ob er auch Millionär sei. Jedoch gerade diese Studenten habenein Recht darauf, von der Universität auch Brauchbares für die Wirt-schafts praxis mitzunehmen. In erster Linie rechne ich hierzu einegroßzügige, aus dem Gedanken des neudeutschen Industriestaateseinheitlich aufgebaute Wirtschafts politik keine Rezepten-sammlung! Hierzu aber trete eine privatwirtschaftliche Unterweisung,die dem künftigen Juristen nicht minder zugute kommt. Wie hilflossteht nicht selten der Richter, der Rechtsanwalt und der Verwaltungs-beamte gegenüber Bilanzen und Geschäftsberichten, gegenüber Fragenkaufmännischer Buchhaltung, gegenüber dem Börsenkurszettel unddem Handelsteil der Tagesblätter hilflos, ohne daß die Grenznutzen-lehre ihm zu nützen vermag! Dabei handelt es sich nicht etwa nur umdie rein technische Kenntnis dieser Dinge, um Unterweisung in Buch-haltung und kaufmännischer Arithmetik. Wichtiger ist es, die totenZiffern auf ihren privatwirtschaftlichen Gedankeninhalt entziffern zukönnen. Die Universitäten sollten durch eine angegliederte Hilfs-disziplin der Privatwirtschaftslehre den nationalökonomischen Studentenvon solcher Hilflosigkeit befreien.

Abwehr von Irrtümern:

i. Die Wirtschaftswissenschaft, auch die Wirtschaftstheorie, istkeine Psychologie, auch keineangewandte", obgleich derNationalökonom, ähnlich wie der dramatische Dichter und der politische