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Historiker, psychologische Tatsachen als Ursachen der ihn interessieren-den Vorgänge reichlich berücksichtigen muß. Hierzu hilft ihm vielleichtauch die psychologische Wissenschaft. Aber die Struktur dieser Wissen-schaft ist eine grundsätzlich andere. Schon Kant erklärt die Psycho-logie als der Naturlehre zweiten Teil. Die wissenschaftliche Psychologieist eine Naturwissenschaft und sucht als solche die psychologischenErscheinungen zu vereinfachen, die verwickelten auf einfachste Ele-mente wie Reiz, Empfindung, Vorstellung zurückzuführen. So sagt z. B.Münsterberg in seiner Psychologie, daß selbst Wille und Gefühl nichtaus einfachen Elementartatsachen bestehen, sondern ebenfalls Emp-findungsverbindungen sind, die sich nur durch eigentümliche Anordnungvon den Vorstellungen unterscheiden. Als Naturwissenschaft strebtdie Psychologie' über Allgemeinbegriffe hinaus zu allgemeingültigenGesetzen. Gegenüber der Naturwissenschaft von der Körperwelt weistsie zunächst den Nachteil auf, ihren Gegenstand, „die Erfahrung desinneren Sinnes", zwar nachfühlen, auch zeitlich messen, aber nichträumlich quantifizieren zu können. Sie überwindet diese Schwächedurch die Hypothese vom psychophysischen Zusammen-hang: Zuordnung jedes psychischen Vorganges zu einem physischen.Etwa: Vorstellung — ein biochemischer Vorgang in gewissen Zellendes Gehirns; Urteil — ein biochemischer Vorgang in der Richtungdes geringsten Widerstandes zwischen zwei Nervenzentren; Wille —ein antagonistischer Vorgang im motorischen Apparat; Schlaf — eineAusschaltung des Zusammenhangs zwischen sensorischem und moto-rischem Apparat; Sprache — ein Instrument, um den Nervenapparateines anderen durch einen bestimmten Reiz auf eine bestimmte Reaktioneinzustellen usw. Ohne zu dieser Hypothese Stellung zu nehmen,liegt doch auf der Hand, daß ihre Richtigkeit und ihre Nutzanwendungim einzelnen — Umsetzung psychologischer Vorgänge in biochemische —mit der Wirtschaftswissenschaft auch nicht das geringste zu tun hat.Letztere Wissenschaft steigert die höchst komplexe, kulturerzeugtePsyche des „Wirtschaftsmenschen" zum Idealtypus, ohne irgendwieden Versuch zu machen, diesen Typus auf einfachere psychologischeElemente zurückzuführen. Dagegen kann die Psychologie mit demeinfachen Seelenleben des Kindes, des Naturvolkes, des Tieres vielfachmehr anfangen, als mit der verwickelten Psyche des Kulturmenschen LSollte das Grenznutzengesetz ein Spezialfall eines allgemeinen psycho-logischen Gesetzes sein, wie Ehrenfels, Meinong , Kreibig u. a. behaupten,so belegt es dadurch nur, daß es nicht zur Nationalökonomie gehört,sondern höchstens eine psychologische Voruntersuchung bedeutet,