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Wii'thsclial't und Mode.
zu einem „Massenartikel“ auswachsen. Hierher gehört alle sog. Demo-kratisirung alles sog. .Luxus“. Die berühmten seidenen Strümpfebilden das Schulbeispiel. Einstmals — so erzählt schon Schopen-hauer — war es ein Wahrzeichen einer Königin, wenn sie zwei Paarseidene Strümpfe besass. Heutzutage ist eine bessere Cocotte nicht mehrauf der Höhe ihrer betriebstechnisch nothwendigen Ausrüstung, wennsie der seidenen Strümpfe entbehrt.
Ueber ein den seidenen Strümpfen entsprechendes Stück weiblichenKleidung — den seidenen Jupon — schreibt der „Confectionär“ am•'51. August 1899: „Man wird sich kaum der Uebertreibung schuldig*machen, wenn man die reinseidenen Röcke aus Moire- und Glace-Taffetin die Reihe der Stapelgenres rangirt, so bedeutend ist die Nachfragedarin bei der Engros-Confection. Die luxuriösen Neigungen des Publi-kums lassen sich gerade bei den seidenen .Tupons, wenn der Consumder Gegenwart mit dem vor wenigen Jahren nebeneinander gehaltenwird, erkennen.“
Aber man würde sicher nicht von einer der modernen Zeit eigenenTendenz zur Vereinheitlichung des Bedarfs sprechen dürfen, hätte esbei jenen selbstverständlichen Folgen der Bevölkerungszunahme und desReicherwerdens sein Bewenden. Die durch sie geschaffene Vereinheit-lichungstendenz würde ganz gewiss mehrfach durchkreuzt werden durchdie im Verlauf der Culturentwicklung immer deutlicher hervortretendeNeigung zur Differenzirung des Geschmacks. Es müssen also noch be-sondere Kräfte am Werk sein, wenn wir thatsächlich als ein Ergebnissder Entwicklung in der Gegenwart ohne Zweifel an einzelnen Stellenwenigstens eine Zusammenballung der Bedarfsnuancen zu uniformemMassenbedarf constatiren können. Eine solche Tendenz zur Vereinheit-lichung des Bedarfs wird erzeugt:
1. Durch die Entstehung grosser Unternehmungen aufdem Gebiete der Giiterproduction und des Güterabsatzes. Solche gross-industrielle oder grosscommerzielle Abnehmer stellen gegenüber einerfrüher vorhandenen Mehrzahl kleiner Producenten, kleiner Händler odereinzelner Familienwirthscliaften natürlich eine einheitlicher gestalteteNachfrage dar. Beispielsweise: wenn das „Einmachen “ von
Früchten, Gemüsen etc. von der Hausfrau und den Einzelgärtnern aufgrosse Conservenfabriken übergeht und dadurch ein uniformer Blech-büchsenbedarf entsteht. Oder wenn eine Schuhfabrik für viele Hundert-tausend Mark Leder auf einmal kauft, wo früher Tausende von Einzel-schustern das Leder halbehäuteweise bezogen hatten. Oder wenn diegrossen Brauereien nun viele Fässer einer Fayon brauchen, währendehedem jede Kleinbrauerei ihre eigene Böttcherwaare hatte. Oder wenndie grossen Etablissements der Textilindustrie, der Schuhwaarenfabri-kation, der Confection ganze Berge von Versandcartons einer und der-