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Wirthschaft und Mode : ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung / Werner Sombart
Entstehung
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Wirtlisclmft und Modo.

selben Grösse und Art nöthig haben. Oder wenn das Vordringenmoderner Gescliäftsprincipien eine einheitliche Buchführung und damit,die Nachfrage nach uniformen Contobüchern erzeugt.

Hierher gehören aber auch Fälle der Bedarfsverschiebung, dienicht so deutlich sich als Vereinheitlichung früher individualisirten Be-darfs darstellen, es aber im Grunde doch auch sind. Wenn die Ge-schäfte sich zu vergrössern die Tendenz haben, brauchen sie auchgrössere Betriebsstätten. Die Concentrationstendenz der industriellenund commerziellen Unternehmungen bedeutet in den meisten Fälleneine Tendenz zur Ausdehnung der Baulichkeiten. Grössere Bautenhaben aber für sehr viele Artikel eine Vereinheitlichung des Bedarfszur Folge: Steine, Thtiren, Fenster, Beschläge, Fussböden, Treppen.Beleuchtungs- und Beheizungskörper, Tische, Stühle alles wird ingrösserer Anzahl einheitlicher Art bedurft, wenn es zur Ausstattungeines grossen Gebäudes, statt zur Herstellung vieler kleiner dienen soll.

Aber ich rechne hier auch her die dimensionale Vergrösserung,die in Folge jener Grossbetriebstendenz einzelne Gegenstände er-fahren : das eiserne Gerüste einer Bahnhofshalle oder eines Ausstellungs-gebäudes stellt selbst die Vereinheitlichung des Bedarfs an früher ver-schiedenen kleinen Gerüsten gleicher Zweckbestimmung dar. Und wenngrössere Kessel, grössere Maschinen bedurft werden, so wird man dieEntwicklung unter demselben Gesichtspunkt betrachten dürfen. Oderliegt etwas anderes vor als eine Vereinheitlichung des Bedarfs, wennan die Stelle von mehreren Dutzend Sensen von denen jede einzelneindividualisirte Art theoretisch wenigstens zulässt eine Mäh-maschine, an die Stelle von hundert Einzelpflügen ein Dampfpflug trittu. s. f.

2. Der Schatten, der der grosscapitalistischen Unternehmung folgt,ist das Proletariat. Seine Entstehung bedeutet aber wiederumnichts anderes als eine neue Tendenz zur Bedarfsvereinheitlichung. Diegrossen uniformen Massen von meist unvermögenden Käufern, derenganze bisherige Geschichte eine Uniformirung von Denken und Wollenbedeutet, die noch längst keine Zeit haben, sich zu individuellemEmpfinden heraufzuentwickeln, stellen ganz begreiflicherweise Abnehmervon Massenwaare namentlich schlechtester Qualität dar. Man mussdiese nothwendige Aufeinanderfolge der einzelnen Productionszweige ifeihrer Entwicklung zu capitalistisclier Gestalt wohl beachten. Man mussbegreifen, dass eine capitalistische Schuhmacherei, Schneiderei, Tisch-lerei u. s. w. erst möglich wurde, nachdem die alten handwerksmässigenFormen der Textil- und Eisenindustrie in der Mühle des Capitalismusbereits zerrieben waren, wie noch des Näheren auszuführen sein wird.

3. Zu gleicher Zeit mit der Ausdehnung der grosscapitalistischenUnternehmungen wächst der Bedarf der öffentlichen Körper, was