Druckschrift 
Wirthschaft und Mode : ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung / Werner Sombart
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4

Wirthscbaft und Modo.

abermals in vielen Fällen eine Vereinheitlichungstendenz erzeugt. Istes doch stets eine Concentrirung der Nachfrage auf wenige Stellen,wodurch die. individuelle Geschmacksbethätigung, oder war es auch nurdie Zufälligkeit der Einzelbedarfsdeckung, an Spielraum verlieren. Indem Masse wie Staats- und Communalthätigkeit sich ausdehnen, wirdin Zukunft der Bedarf vieler Gegenstände einen einheitlichen Charaktererlangen. Man könnte hier von einer Bureaukratisirung des Consumsreden. Ein interessantes Beispiel für einen fernerliegenden Causalzu-sannnenhang gedachter Art ist Folgendes: in der Schweiz sind bekannt-lich die Lehrmittel in den Schulen verstaatlicht. Das hat zu einersolchen Uniformirung dieser Gegenstände geführt, dass nur noch Gross-geschäfte als Concurrenten hei der Lieferung in Frage kommen 1 ).

4. Wie aber die grosscapitalistische Unternehmung nicht an Aus-dehnung zunehmen kann, ohne die Lohnarbeiterschaft zu vermehren, sokann die Tliätigkeit öffentlicher Körper nicht gesteigert werden, ohnedass das Heer der Beamtenschaft einen Zuwachs erhielte. Aber-mals ein Moment, das den Bedarf zu vereinheitlichen die Tendenzerzeugt. Denn mit dem Bureaukraten sowohl als dem in staatlichemoder städtischem Dienst stehenden Arbeiter wird eine Bevölkerungs-schicht erzeugt, deren inneres und äusseres Wesen zunächst eine Uni-formirung erfährt. Es zeigt sich das in der Gestaltung ihres Amts-bedarfs nicht minder als in der ihres Privatbedarfs: die einheitliche Klei-dung ist für jene der besonders markante Ausdruck. Aber es wh - d imAllgemeinen nicht zweifelhaft sein, dass hundert Rathsdiener oderhundert Postsecretäre oder hundert Eisenbahnschaffner einen ein-förmigeren Privatbedarf haben werden als hundert Schuster, Schneideroder selbst Bauern. Die Schablonisirung ihres Gehirns wird viel weitervorgeschritten sein dank dem völlig gleichen Milieu, in dem sie ihreTliätigkeit ausüben und damit die Vereinheitlichung ihres Geschmacksund Werthurtheils; aber auch ihre Einkommen sind durch die etats-mässige Zuweisung ganz gleicher Portionen viel mehr ausgeglichen, alses je die Einkommen nicht beamteter Personen, welchen Charaktersauch immer, sein können.

Ist in den bisher besprochenen Fällen die Vereinheitlichung desBedarfs durch das Auftreten neuer eigenartiger Abnehmerkreise hervor-gerufen, so ist dasjenige, was man

5. die Collectivirung des Consums nennen kann, eine Er-scheinung, die bei allen Consumentenschichten wenigstens im Gebieteder modernen Civilisation, in den Grossstädten, gleichmässig sich be-obachten lässt. Darunter sind alle diejenigen Fälle zu verstehen, in

') Vergl. Fachberichte aus dem Gebiete der schweizerischen Gewerbe (189 GS. 210.