Wirtlisclmf't und Mode.
werks ein lehrreiches Beispiel. Eine Bevölkerung, die auf dem Lunde,und auch noch eine, die in schlechtgepflasterten Kleinstädten lebt,braucht vor allem dauerhaftes und wasserdichtes Schuhwerk. DerSchaftstiefel alten Stils, wie er sich noch heute auch in Gressstädtenbei alten Professoren und Bechnungsrüthen findet, dankt seine Ent-stehung einer Zeit und einer Strassen Verfassung, als es noch gelegent-lich angebracht war, die Beinkleider in den Stiefelschaft zu stecken,um dem Schmutze und der Feuchtigkeit ein Paroli zu bieten. Als mannoch häutig zu Pferde stieg, um über Land zu reiten, waren die hohenReiterstiefel' die für Herren gegebene Fussbekleidung. Heute haben sichderartige schwerfällige Kleidungsstücke mit der .Wildschur" und denOhrenwärmern auf wenige unwirthliche Gebiete Osteibiens zurückge-zogen. Die stets saubere, wohlgepflasterte Stadt mit den plattenbe-legten Bürgersteigen, das Reisen in der geheizten Eisenbahn, die Er-findung des Gummischuhes u. s. w. haben den Bedarf nach dauerhafterund wasserdichter Fussbegleitung eingeschränkt und statt dessen dasVerlangen nach leichter, eleganter, wenn auch nicht so solider Schuh-Avaare rege werden lassen. Der alte Schaftstiefel, die „Röhre“, stirbtaus, von Gesichtspunkten der Hygiene, des Chics, der Bequemlichkeitaus erscheinen der Niederschuh, der leichte Knopf-, Schnür-, Zugstiefe]als das zweckmässigere Kleidungsstück und ihre Herrschaftssphäre dehntsich aus. Ebenso Avie der ganz leichte Gesellschaftsschuh aus Lackoder Chevreau oder Atlas dank der schützenden Hülle der .Boots“ sichein immer Aveiteres Absatzgebiet erobert; er, den ehedem nur dieDamen in der Sänfte oder die Herrschaften im eigenen Gefährt riskirenkonnten.
Aber Avas mir den grossstädtischen Bedarf vor allem zu charakte-risiren scheint im Gegensatz zu dem ländlich-kleinstädtischen, ist seineviel grössere Unstetigkeit und Wandlungsfähigkeit. Damit kommenwir zu einer Veränderungstendenz in der modernen Bedarfsgestaltung,die allgemeineren Charakter trägt und vielfach auf Ursachen zurück-zuführen ist, die nicht durch Vermittlung der Herausbildung städtischenWesens, sondern directer wirksam sind. Wir werden deshalb eine ge-sonderte Betrachtung zu Avidmen haben der dritten grossen Umgestal-tungstendenz im modernen Bedarf an geAverhlichen Gütern, nämlichjener EntAvicklungsreihe, die ich unter der Bezeichnung „Mobilisirungdes Consums (und Bedarfs)“ zusammenzufassen für zweckdienlich halte.
III.
Es ist eine allbekannte Thatsache, deren Beobachtung sich jeder-mann aufdrängt, dass in unserer Zeit die meisten Güter kürzere Ver-brauchsperioden haben als ehedem. Der Urväter Hausratli spielt heut zu