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YVirthscbat't und Mode.
Tage nur noch eine geringe Holle. Der junge Hausstand betritt mitvöllig neuer Ausstattung den Plan, und während unsere Eltern nochMöbel, Betten, Wäsche, Bestecke und alles Geräth während ihrer Ehe— und mochten sie auch die goldene Hochzeitsfeier erleben — nur aus-nahmsweise erneuten, ist es heute Hegel , dafs auch in besseren Häusernschon nach zehn, zwölf Jahren der Erneuerungsturnus beginnt. Wirselbst trugen noch die zurechtgemachten Kleider der Eltern und Ge-schwister und der berühmte „Bratenrock“ des Mannes, das Hochzeits-kleid der Frau, spielten zumal in den unteren Klassen eine grosse Holle:sie hielten ein Leben aus und schleppten von Geschlecht sich zu Ge-schlechte wie eine ewige Krankheit fort. Der Handel mit gebrauchtenSachen, die Auffrischung alter Gegenstände waren in früherer Zeit,noch um die Mitte des XIX. Jahrhunderts, blühende Erwerbszweige.Bildeten doch die Altwaarenhändler in den meisten Städten eigeneZünfte. Und welches schwunghafte Geschäft muss es dereinst gewesensein, dieser Handel mit gebrauchten Sachen, wenn wir sehen, Avie im10. Jahrhundert die Notabein von Frankreich Beschwerde führen überdie gefährliche Concurrenz, die die Schiffsladungen mit alten Hüten.Stiefeln, Schuhen etc., die von England herüberkamen, den ansässigenGewerbetreibenden bereiteten l 1 )
Jetzt spielt der AltAvaarenhändler nur noch eine untergeordneteHolle. In den Trödlerläden hängen jetzt die Heihen neuer Anzüge undMäntel, Avie sie aus der Werkstatt des SAveaters kommen, stehen nebenaltem Plunder immer mehr neue Tische und Spiegel aus gestrichenemTannenholz.
Ueberall rascher Wechsel der Gebrauchsgegenstände, der Möbel,der Kleider, der Schmucksachen. Man ist heute schon ein conservativerMann, Avenn man seine Stiefel ZAveimal besohlen, lässt, und über dieBraut wird Avohl gespöttelt, die noch wie ehedem die Hemden undTischtücher von starkem Leinen dutzemhveise in ihrem Wäscheschränkeaufstapelt.
Was ist nun die Ursache dieser Wandelbarkeit, dieser Wechsel-freudigkeit und Wechselhaftigkeit? Was ist es, das jene '„Mobilisirung-des Bedarfs“ bewirkt hat?
Der oberflächliche Beobachter ist rasch mit der AntAvort zur Hand.Er Avill den Grund für jene Aenderung der ConsumtionsgeAvohnheitenausschliesslich in der neuen Technik der Güterherstellung erblicken..Die Sachen halten nicht mehr so gut Avie früher“, „bei den billigen
') Beschwerde der Notabeinversammlung im Jahre 1597, dass die Engländer„remplissent le royaume de leurs vieux chapeaux, bottes et savates qu’ils fontporter ä pleins vaisseaux en Picardie et en Normandie.“ G. D’Avenel , Lemecanisme de la vie moderne, 1896, p. 32.