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Wirthschaft und Mode : ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung / Werner Sombart
Entstehung
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Wirthschaft und Mode.

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Preisen lohnt es sich gar nicht, lange an einem Gegenstände herumzu-flicken : man wirft ihn weg, wenn er schadhaft ist und kauft einenneuen. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich dieser Erklärungsversuchals nichtssagende Phrase: dass die Sachen heute rveniger haltbar sind,für die man die entsprechenden Preise der früheren Zeit bezahlt, ist imAllgemeinen sicher nicht richtig: warum man aber wechselt, wenn mandank der Preisermässigung wechseln kann, bedarf offenbar erst derweiteren Begründung.

Eine solche mag man in den vielfach veränderten Lebens-bedingungen erblicken, unter denen namentlich die Städter heut zuTage leben. Von grossem Einfluss auf die Art der Bedarfsgestaltung-ist hier offenbar die Verallgemeinerung der Miethswohnung gewesen.Sie hat das moderne Nomadenthum geschaffen und mit ihm die Ab-nahme der Lust am Dauernden, Festen, Soliden in der Wohnungs-einrichtung. Schon dass diese fast nur noch ausMobilien besteht jetzt schon bis auf die Oefen (Dauerbrandöfen!) während dochehedem die Sitze in den Fensternischen, die Ofenbank, ja selbst dasBett und mancher andere Hausrath mit dem Hause verwachsen war,hat eine Tendenz erzeugt, die Gegenstände leichter, weniger für dieEwigkeit berechnet zu machen. Und gar erst die Mobilisirung derMenschen selbst: dieses ewige Herumziehen von Ort zu Ort, von Strassezu Strasse in derselben Stadt: muss es nicht den Wunsch nach leichttransportabeln Möbeln und Gütern nahelegen ? Man hält es kaum fürmöglich, wenn man liest, welchen Grad von Unstetigkeit die Bevölkerungheute erreicht hat. In einer Stadt wie Breslau von 400000 Einwohnernbetrug (1899) die Zahl der umgezogenen Personen 194602, währendinnerhalb Hamburgs in demselben Jahre gar 212783 Parteien (!) ihrDomizil wechselten. Es wurden (1899) gemeldet . (NB. ausschliesslichder Beisenden) x )

in

Berlin . Breslau Hamburg .

Z u gezogene. 235611. 60283

. 108281

A b gezogene1786545423186245

Aber viel wichtiger ist doch der Umstand, dass mit der Veränderungder Technik und der äusseren Lebensbedingungen, was wir schon anverschiedenen Stellen zu constatiren Gelegenheit hatten, auch einneues Geschlecht von Menschen herangewachsen ist. Menschen,die die Rastlosigkeit und Unstetigkeit ihres inneren Wesens auch inder äusseren Gestaltung ihres Daseins zum Ausdruck zu bringen trachten.Wir wollen den Wechsel unserer Gebrauchsgegenstände. Fis macht

0 Jahrbuch deutscher Städte 9, 253.