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Wirthschaft und Mode : ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung / Werner Sombart
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Wirtlischaft und Mode.

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Maasse rascher wird, als die Productions- und Verkehrstechnik sichvervollkommnen, nach ewig neuen Formen. Kaum ist in der oberstenSchicht der Gesellschaft eine Mode aufgetaucht, so ist sie auch schonentwerthet dadurch, dass sie die tiefer stehende Schicht zu der ihrigenebenfalls macht: ein unterbrochener Kreislauf beständiger Revolutionirungdes Geschmacks, des Consums, der Production.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozesse, der die innerste Naturder modernenModeraserei erst zum Verständniss bringt, spielen diemodernen grossen Detailhandelsgeschäfte, namentlich die Grands magasins de nouveautes. Eins ihrer beliebtesten Manöver ist es, irgend einenKleiderstoff oder sonstigen Modeartikel, nachdem die allererste Iloclifluthder Nachfrage in den führenden Kreisen der ganzen und halben Weltvorüber ist, in grossen Posten bei den Fabrikanten zu bestellen, sodass sie ihn erheblich billiger beziehen, und ihn dann als Lockartikelzum Selbstkostenpx-eise abzugeben: die Folge ist, dass alle Damen, diegern ä la mode sich kleiden oder einrichten möchten, und derenPortemonnaie doch nicht gross genug dazu ist, es den obersten Zehn-tausend nachzuthun, nun die Gelegenheit begierig ergreifen, diedernierenouvaute im Bon Marche oder Louvre en masse zu kaufen, die dannnatürlich aufgehört hat, überhaupt noch vonanständigen Menschenbenutzt werden zu können.

Mit dieser letzten Gedankenreihe sind wir schon aus dem Kreisder Betrachtungen herausgetreten, denen dieses Capitel gewidmet war:der Umgestaltung des Consums, und haben schon hinübergegriffen inden Bereich des nächsten Abschnittes, der die Neugestaltung der Absatz-formen zur Darstellung zu bringen hat.

Wir nehmen Abschied von dem reizvollen Capitel von demä laMode-Teufel und der Art, wie er in der Gegenwart sein oft genugdrolliges Wesen treibt, mit der Empfindung, dass unsere Ausführungenden Zusammenhang in aller Deutlichkeit aufgewiesen haben, der auchzwischen dem Phänomen der Mode und unserer Wirthschaftsorganisationbesteht. Man wird nicht zu fürchten brauchen, der Uebertreibung ge-ziehen zu werden, wenn man behauptet: die Mode ist des Capitalismusliebstes Kind: sie ist aus seinem innersten Wesen heraus entsprungenund bringt seine Eigenart zum Ausdruck wie wenig andere Phänomenedes socialen Lebens unserer Zeit.