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denke: das Koalitionsgesetz vom 17. Juni 1791. Esbestraft jede Verbindung zwischen Gewerbsgenossen zurFörderung ihrer „angeblich" gemeinsamen Interessen als einAttentat auf die Freiheit und die Menschenrechte mitSM Livres und der Entziehung des aktiven Bürgerrechtsauf ein Jahr. Zwar galt das für Unternehmer und Arbeiter,sagen wir besser Meister und Gesellen gleichmäßig; aber wiediese Gleichheit die schreiendste Ungleichheit erzeugt, ist all-bekannt.
Und dann kommt die erste Konsolidierung der neuenGesellschaft, die Konstitution vom 3. November 1791,die durch Einführung der Zensuswahl klipp und klar dieScheidung in eine wohlhabende, herrschende Klasse und einebeherrschte Klasse von Habenichtsen zum Ausdruck bringt: esgiebt nun „Vollbürger" und Bürger 2. Klasse.
Also hier bei der Revolution von 1789 ist es wohl deutlich,daß es alles andere als eine proletarische Bewegung war.Zweifelhafter könnte man sein bei der 1793er Bewegung.Diese ist es denn auch vor allem, die von unseren großenHistorikern, wie Shbel, mit Vorliebe als eine „kommunistische"bezeichnet wird. Die Männer der Montagne werden inihren Augen zu Vorläufern der Sozialdemokratie; und nochganz neuerdings ist in einer kleinen Schrift, die der BerlinerProf. H. Delbrück in der Göttinger Arbeiterbibliothek ver-öffentlicht hat, geradezu die Behauptung aufgestellt worden,daß die Leiter dieser Bewegungen nichts anderes gewesenseien als Sozialdemokraten, ja daß im Grunde die Sozial-demokratie seit Saint Just und Robespierre keinen neuenGedanken gehabt habe! Dieser Auffassung kann ich eineBerechtigung nicht zuerkennen. Prüfen wir!
Auch die Bewegung von 1793, behaupte ich, ist durchauskeine proletarische. Freilich — und das hat so viele Wohl irre-geführt — kommt in ihr diejenige Unterströmung zum Durch-bruch, die die französische Revolution von jeher gehabt hat,ich meine die demokratische. Diese ist von Anbeginn da.