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erste, typisch - sozialistisch - proletarische Bewegung zu be-zeichnen sich gewöhnt hat: ich meine die Chartisten-bewegung in England 1837/48, Sie zeichnet sichallerdings von jenen eben erwähnten momentanen Auf-wallungen der Massen dadurch aus, das? sie über mehrals ein Jahrzehnt systematisch weitergeführt wird undals eine Wohl organisierte Bewegung uns erscheint. Undohne allen Zweifel ist es jedenfalls eine echt proletarischeBewegung: wenn Sie wollen, die erste organisierte, prole-tarische Bewegung, Sie ist proletarisch deshalb, weil esZunächst leibhaftige Proletarier sind, die die Hauptmassender Chartisten bilden; sie ist proletarisch'aber auch in demSinne, als ihre Forderungen unmittelbar aus deu Zustän-den des Proletariats herauswachsen, als das Streben nachmaterieller Lebensverbesserung gedrückter Fabrikarbeiterunmittelbar in den Vordergrund der Bewegung tritt. Esist damals schon der Maximalarbeitstag als Forderung auf-gestellt. Ich erinnere Sie an das berühmte Wort desPfarrers Step Heus, der den Massen zurief: „Die Frage,die uns hier beschäftigt, ist nichts anderes als eine Messer-und Gabelfrage!" Proletarisch aber ist die Chartisten-bewegung auch darin, daß in ihr der Antagonismus zwischenArbeit und Kapital oftmals scharf und deutlich in die Er-scheinung tritt. Die „Regierung", die „herrschende Klasse", iden-tifiziert sich mit der Kapitalistenklasse. Es findet das seinen Aus-druck in dem urwüchsigen Haß, der sich gegen das Unternehmer-tum schon damals in den Massen angesammelt hat und zu einemSchlachtrufe wird. Das Wort O'Connors: „Nieder mit jenenElenden, die das Blut eurer Kinder trinken, Wollust treibenmit dem Elend eurer Weiber und satt werden von eurem eigenenSchweiße", erinnert uns lebhaft an die Phraseologie proleta-rischer Volksversammlungen selbst noch der Gegenwart. DasPochen ferner auf die Rechte der Arbeit ist ein durchaus prole-tarischer Zug; schon damals ist es das Recht auf den vollenArbeitsertrag, um das man kämpft, auf den „Mehrwert", der
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