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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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nachdem die verschiedenen Nationen in ihrer Eigenart sichgleichsam ausgelebt haben, wie die soziale Bewegung zngrößerer Einförmigkeit wieder zurückzukehren die Tendenz hat.

Ehe wir nun aber diese Verschiedenheiten nationaler Eigen-tümlichkeiten uns klar zu machen versuchen, empfiehlt es sichvielleicht einen Punkt zu berühren, der entscheidend für dasrichtige Verständnis ist. Ich meine die prinzipielle Stel-lung, die wir als wissenschaftliche Beobachter gegenüber dieserMannigfaltigkeit der sozialen Bewegung einnehmen wollen.Der herrschenden Auffassung entspricht es, dort, wo man dieVerschiedenheit der Bewegungen schildert, einen Unterschied zumachen zwischen demjenigen, was man die gesunde und nor-male Bewegung einerseits und die ungesunde andererseitsnennt. Und zwar pflegt sich dieser Unterschied in der herr-schenden Auffassung zu identifizieren mit dem Unterschiedder Bewegung in England und auf dem Kontinent. Dieenglische Bewegung, die im wesentlichen eine rein gewerk-schaftliche war, beliebt man als die normale und richtigezu bezeichnen, die kontinentale, mehr politische als die anor-male und unrichtige. Wie werden wir uns zu dieser Fragestellen? Ich glaube, daß bei solcher Unterscheidung undBeurteilung ein zwiefacher Irrtum begangen wird: einmethodologischer und ein sachlicher. Wenn die Wissenschaftein derartiges Urteil ausspricht, mit dem sie sich gleichsamin die Geschichte mischen zu sollen glaubt, so heißt das nachmeinem Dafürhalten eine Überschreitung der Grenzen, dieder Gelehrte sich stecken muß und soll. Man giebt für objek-tives Wissen etwas aus, was nichts anderes als subjektives,streng privates Ermessen einer bestimmt interessiertenPersönlichkeit ist, ganz davon abgesehen, daß, wie Hegel es einmal ausdrückt, die Wissenschaft zu dem Belehren,wie die Welt sein soll, immer zu spät kommt. Also hier