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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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Unter diesem Gesichtspunkt der sozialen Pflichterfüllung wirdauch das proletarisch-kapitalistische Verhältnis geadelt werdenund seine Härten verlieren: der Unternehmer werde mensch-licher, lerne wahrhaft herrschen, der Arbeiter gefügiger,lerne wahrhaft dienen. Ganz ähnlich räsonnieren die sog.christlichen Sozialisten, nur dasz sie denneuen sozialen Geist"aus den Lehren des Christentums ableiten wollen.

Diese Lehren nun, heißt es, tragen Früchte. Jenersoziale Geist wer hätte es gedacht zieht thatsächlich indie Herzen der Menschen ein, der soziale Konflikt wirddadurch aus der Welt geschafft, an Stelle von Hasz undMißtrauen treten Liebe und Zutrauen. Diesoziale Frage"ist gelöst, mindestens ist man auf demWege zum sozialenFrieden", der Kapitalismus ist gerettet, der Sozialismus aufder Strecke geblieben . . .

Ich will erst nachher prüfen, in welchem Umfange denndie sozialen Thatsachen, die hier behauptet werden, der Wirk-lichkeit entsprechen; aber selbst angenommen, sie thäten esganz und gar es herrschte eitel Eintracht in Albion:könnte uns dann jene hhperidealistische Erklärung genügen?Würde es uns nicht verlangen, auch ein paar solidere Mo-tive in den Kausalzusammenhang einzufügen als nur die Er-folge der Carlyleschen Predigten?

Exakte" Beweise für die Richtigkeit der einen oderder anderen Auffassung lassen sich natürlich nicht führen,weil es am letzten Ende die gesamte Weltanschauung desBeurteilers ist, seiue Wertung des Menschen, was den Ent-scheid giebt: Wallenstein und Max werden sich niemalsvöllig der eine vom anderen überzeugen lassen. Immerhinwird keiner darauf verzichten wollen, durch Beibringung vonGründen und Hinweis auf bestimmt feststellbare Thatsachendie Richtigkeit seiner Auffassung mindestens plausibel zumachen.

Ich für meine Person bin skeptisch gegenüber allenliebenswürdigen Geschichtserklärungen und glaube dem