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Lebens — Westeuropa, d, h. Frankreich und insbesondereEngland — vereinigte, daß er wie in einer Linse alle Strahlen,die von fremden Denkern vor ihm ausgegangen waren, zu-sammenzufassen wußte und daß es ihm — aus seiner inter-nationalen Lebensiphäre heraus - gelang, von allen Zu-fälligkeiten nationaler Entwickelung absehen und das Typischedes modernen Gesellschaftslebens, das Allgemeine also imBesonderen erfassen zu können.
Marx hat — in Gemeinschaft mit seinem Freunde FriedrichEngels ^ in einer großen Reihe von Einzelschriften, derenbekannteste sein „Kapital" ist, die Grundzüge eines imposantenSystems der Sozialphilosophie niedergelegt, in dessen Einzel-heiten einzugehen hier jedoch nicht am Platze ist. Was unsvielmehr an dieser Stelle allein interessiert, ist die Marx 'scheTheorie der sozialen Bewegung, weil sie vor allemes ist, durch die er bestimmend auf den Gang der sozialenEntwickelung eingewirkt hat. Sie ist ebenfalls in keinemeinzigen seiner Werke einheitlich zusammengefaßt. Jedochfinden wir alle wesentlichen Elemente doch schon in dem be-rühmten „Kommunistischen Manifest", das Marx und Engels im Jahre 1847 als Programm dem „Bunde der Gerechten "in Brüssel unterbreiteten, der es annahm und dadurch zum„Bunde der Kommunisten" sich umgestaltete. Das „Kommu-nistische Manifest" enthält eine Geschichtsphilosophie in denGrundzügen, auf die das Programm einer Partei basiertist. Seine leitenden Gedanken sind diese:
Alle Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen; dieheutige Geschichte ist die Geschichte des Kampfes zwischenBourgeoisie und Proletariat. Klassenbildnnaen sind das Er-gebnis bestimmter ökonomischer Produktions-und Verteilungs-verhältnisse, durch die ebenso auch die Herrschaftsverhältnissebestimmt werden. „Jmmanente"Kräfte (der Ausdruck kommt imKommun. Manifest noch nicht vor, ist aber in späteren Schrif-ten der'^erwinus tsetmieu8 geworden) wälzen die Produktions-und damit alle ökonomischen Verhältnisse unausgesetzt um.