- 68 -
haftigkeit? Worin für ihre Dauer nun schon ein halbesJahrhundert hindurch?-^ Das alles, trotzdem jene Theoriein wesentlichen Punkten, wie ich glaube, so sehr irrt, daß siekaum noch als Ganzes aufrecht erhalten werden kann.
Ehe ich darauf die Antwort zu geben versuche, muß icheines zur Klarstellung im voraus bemerken. Was uns Marxund Engels an geistiger Erbschaft hinterlassen haben, wennwir ihre Schriften von 1342 an oder auch nur seit der erfolg-ten Mauserung, also etwa seit 1847 bis 1883 bezw, 1895 daraufhindurchblicken, stellt sich uns zunächst als ein wirrer Haufenverschiedenartigsten Gedankenmaterials dar. Erst dem, dersehr genau hinschaut und sich die Mühe nimmt, in den Geistder Männer sich hineinzuleben, fügen sich die einzelnen Ge-dankenreihen zu Sinn und Ordnung. Er gewahrt dann, wiesich in den Schriften von Marx und Engels zwar Grund-ideen hindurchziehen während der ganzen Periode ihrerschriftstellerischen Thätigkeit, wie aber in den verschiedenenZeiten ganz verschiedene Gedankengänge das einheitlicheSystem, wie es sich aus jenen Grundideen aufbauen würde,durchkreuzen und stören. Die meisten Darsteller der Marx-schen Lehren und vor allem die bürgerlichen, haben nun denFehler begangen, das Essentielle vom Accidentiellen nicht zuscheiden, haben es infolgedessen auch nicht vermocht, derhistorischen Bedeutung dieser Theorien gerecht zu werden.Es ist natürlich das Bequemere, einem Autor aus den Wider-sprüchen und Ungereimtheiten seines Systems Stricke zudrehen, als jener mühseligen Nachspürung des dauerndWertvollen sich zu unterziehen! es ist bequem aber nicht ge-recht, einzelne offenbare Fehlgriffe und Irrtümer in denLehren eines bedeutenden Denkers sich genügen zu lassen,um diese Lehren in tow abzuweisen. Der Marxismus botsich zu solcherart oberflächlicher Behandlung als ein wie keinzweites günstiges Objekt dar: einmal weil viele seinerTheorien die Leidenschaften der Beurteiler wachriefen und