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nur „allgemeine Ausdrücke thatsächlicher Verhältnisse einesexistierenden Klassenkampfes" hatte das Kommunistische Mani-fest in etwas lockerer Fassung gesagt. Genauer gesprochenheißt das: Marxens Theorie stellte die Verbindung herzwischen dem, was unbewußt, instinktiv sich als proletari-sches Ideal zu bilden begonnen hatte und dem, was in derWirklichkeit sich als Ergebnis der ökonomischen Entwickelungbeobachten ließ. Für die Taktik aber wurde der Gedankebestimmend, daß Revolutionen nicht gemacht werden können,sondern an bestimmte ökonomische Vorbedingungen geknüpftseien, während der Klassenkampf in seinen beiden Formen,— der politischen, von der hauptsächlich im KommunistischenManifest die Rede ist, aber auch der ökonomisch-gewerkschaft-lichen, für die Marx schon in der Misk-re eine Lanze ge-brochen hatte — als Werkzeug erkannt wird, dessen sich dasProletariat bedienen müsse, um in dem ökonomischen Um-gestaltungsprozesse seine Interessen zu wahren. Er formu-lierte damit, was jede proletarische Bewegung, die sich ihrerbewußt wurde, als leitende Grundsätze anerkennen mußte.Sozialismus als Ziel, Klasseukampf als Weg hörten auf,subjektive Meinungen zu sein und wurden in ihrer Not-wendigkeit begriffen.
Diese elementare Einsicht, daß diese beiden Grundpfeilerder modernen sozialen Bewegung keine willkürlichen Gebilde,sondern unvermeidliche Produkte der historischen Entwicke-lung seien, ist noch heute so wenig verbreitet, daß es sichlohnt, mit einigen Worten dabei zu verweilen.
Bemerkt muß zunächst werden, daß in allen Schriftenvon Marx und Engels , dessen Anti-Dühring immer eine uner-setzliche Ergänzung zu allen Marx 'schen Theorien bildet, sichkeine Beweisführung für die behauptete „Notwendigkeit" desGanges der sozialen Bewegung findet, die unseren heutigenAnforderungen von wissenschaftlicher Methode völlig gerechtwird. Bekannt ist, daß Marx auf dem Boden der Hegelschen Dialektik steht, die heute als überwunden angesehen werden