- 7V —
„Wo eines Platz nimmt, muß das andere rücken;„Wer nicht vertrieben sein will, muß vertreiben . . .„Da herrscht der Streit und nur die Stärke siegt."
Hier ist es, wo Meinungsverschiedenheiten auftauchenkönnten: muß es wirklich zum „Streit", zum „Kampfe "kommen? Ist nicht zu hoffen, daß — etwa aus Menschen ^liebe, oder Mitleiden, oder Interesse am Gemeinwohl oderaus sonstigen edlen Motiven heraus — soziale Klassen sichfreiwillig ihrer Vorrechte, die anderen im Wege sind, ent-äußern könnten? Ich hatte schon an anderer Stelle Ge-legenheit, meine Ansicht dahin zu äußern, daß ich solchewohlmeinende Beurteilung der menschlichen Durchschnitts-natur als in: Widerspruch mit allem wirklichen Leben stehendbetrachte. Ich wies auch schon darauf hin, daß der strengeBeweis für die Richtigkeit solcher Auffassung ^ weder vonder einen, noch von der anderen Seite — zu erbringen sei,daß die letzten Gründe für den Entscheid des einzelnen inden Tiefen der persönlichen Ueberzeugung ruhen. Was aberfür die Richtigkeit des von mir vertretenen realistischenStandpunktes immerhin einiges Beweismaterial liefert, istder Umstand, daß die Geschichte uns uoch kein Beispiel einerfreiwilligen Entäußerung von Klassenvorrechten aufweist,zum mindesten will ich sagen: daß wir für jeden solcherFälle, die dafür etwa angeführt werden könnten, einerealistische, nüchterne Beweisführung mühelos unternehmenkönnen. Wir haben andererseits unzählige Beispiele in derGeschichte, wo irgendwelche Reform von wohlwollendenMenschenfreunden, etwa ideologischen Bnreaukraten, begonnenwurde, um bald nachher an dem roeusr äo dron?« des mächtigenKlasseninteresses der bedrohten herrschenden Klasse zu scheitern.Man hält uns Kleingläubigen gern die Nacht des 4. August1789 vor und vergißt die 100 brennenden Schlösser in Frank-reich , man erinnert uns an die preußischen Agrarreformenund vergißt nicht nur die französische Revolution, sondernauch die Deklaration von 1816, man erinnert uns — aber