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Ich fasse nun zum Schlüsse noch einmal kurz zusammen,worin ich die historische Bedeutung der marxistischen Lehrenfür die soziale Bewegung erblicke: Indem Marx als derenZiel die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, als Wegden Klassenkampf bezeichnete, richtete er die beiden Grund-Pfeiler auf, auf denen sich die Bewegung aufbauen mußte.Es war genug, um sie zu einheitlichem Bewußtsein zubringen, es war nicht zu viel, um die nationalen undsonstigen Eigenarten nicht zur Entfaltung gelangen zulassen. Indem er die soziale Bewegung in den Fluß derhistorischen Entwickelung stellte, brachte er sie theoretischin Einklang mit den objektiv und subjektiv bestimmendenFaktoren der Geschichte, basierte er sie auf die realen Be-dingungen der Wirtschaft und der Charakterveranlagungder Menschen, wies er ihre ökonomische und psychologischeBestimmtheit nach.
So fasse ich Marx auf, wenn ich den Geist seiner Lehrezu ergründen versuche: das ist der tiefere Sinn desMarxismus .
Kein Zweifel: der vulgären Auffassung erscheinen Marxund Engels, der doch immer mit genannt werden muß, ineinem wesentlich anderen Lichte, als ich sie Ihnen zu zeigenversucht habe. Da sind es jene zahlreichen „Accidentien", vondenen ich Ihnen sprach, aus denen man sich ein gänzlich ab-weichendes Bild gemacht hat. Ich muß darauf mit einemWorte noch zu sprechen kommen.
Die herrschende Anschauung erblickt in jenen Männernnicht nur etwas anderes, sondern schlechthin das Gegenteilvon sozialpolitischen Realisten, nämlich die Väter und Hüterdes Revolutionsgedankens schlechthin. Und wer, der dieSchriften der Beiden durchblättert hat, wäre nicht scheinbarberechtigt zu diesem Glauben. Da liest er von rasselndenKetten, die zerbrochen werden müssen, von Revolutionen, aufdie man zusteuert, von blutigem Kampf und Mord undTotschlag. Wie liegt die Sache?