Druckschrift 
Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

- 106

guietistischer Anschauung, diese Energie verringern, so würdedas wichtigste Glied in der supponierten Ursachenkette aus-fallen und die Entwickelung einen vollständig anderen Gangnehmen. Es ist ganz verkehrt, die Vorstellung vom natur-gesetzlichen Prozeß schematisch auf das soziale Leben zuübertragen; z. B, zu sagen: der Sozialismus müsse mitNaturnotwendigkeit" kommen. Er denkt gar nicht daran.Waruni beispielsweise die Entwickelung des Kapitalismusnicht ebensogut zu einem Untergange der modernen Kulturführen kann, ist nicht einzusehen. Und sie müßte sicherlichdiesen Verlauf nehmen, wenn die Träger des Fortschrittsnicht die für eine neue Gesellschaftsordnung erforderlichenQualitäten während des Umformungsprozesses des sozialenLebens entwickelten, wenn sie etwa in Marasmus oder Quie-tismus versinken wollten. Für sie bleibt alles soziale Ge-schehen ein zu bewirkender Zustand und um diesen für sie inder Zukunft liegenden Zustand herbeizuführen, bedarf esder Energie der Entschlüsse.

Im engen Zusammenhange mit dem eben besprochenenPunkte steht ein anderer Gegensatz, der auch am letztenEnde auf das Maß des richtigen Verständnisses vom Wesensozialer Evolution sich zurückführen läßt; auf die Ver-wechselung ^ wenn ich es wieder in ein Schlagwort zu-sammenfassen darf von Ideal und Programm; aufdie Vermengung von Idealismus und Politik. Damit meineich dieses: halbgebildete Evolutionisten, vor allem wieder inden Scharen der Marxisten, sind gern geneigt, mit souveränerVerachtung auf Leute mit idealer Begeisterung, mit enthu-siastischem Herzen, herabzusehen und wollen die einzige,eines Realpolitikers würdige Aufgabe in der nüchternen,verstandesmäßigen Abwägung einzelner Maßnahmen derPolitik erblicken. Das ist eine Auffassung, die aus demWesen der Evolution ganz und gar nicht folgt. Auch dieser'zueigen bleibt stets das soziale Ideal, in dem die letzten Zielesich verkörpern, und das immer nur auf im wesentlichen