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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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ausschließen? In diesem Falle würde der demokratischeEntscheid kein reaktionärer sein, weil man trotz Aufnahmejener kleinwirtschaftlichen Elemente in den Rahmen der Be-wegung doch nicht von dem Niveau der Produktionstechnik,wie es im vergesellschafteten Industriebetriebe erreicht ist,herabzusteigen brauchte.

Ich habe hier vonwenn" undaber" sprechen müssenund zwar aus dem Grunde, weil bis jetzt nach meiner Kenntnisnoch nicht mit irgend welcher Gewißheit sich feststellen läßt,weder welches die Entwickelungstendenz im Agrarwesen ist,noch welche Betriebsform und ob überhaupt eine bestimmtein der agrarischen Produktion die superiore ist. Soviel ichaber sehe, versagt hier im wesentlichen das Marxsche System:soviel ich sehe, sind die Deduktionen von Marx auf dasAgrargebiet nicht ohne weiteres übertragbar. Er hat be-deutendes auch über die Agrarsachen gesagt, aber seineTheorie der Entwickelung, welche auf einer Zunahme desGroßbetriebes, auf einer Proletarisierung der Massen be-ruht und welche aus dieser Entwickelung den Sozialismusals notwendig ableitet, diese ist klar nur für die Jndustrie-entwickelung. Sie ist es für die agrarische Entwickelung nichtund mir scheint, daß nur die wissenschaftliche Forschung dieLücke auszufüllen vermögen wird, die jedenfalls besteht.

Von weittragender Bedeutung und gerade im Augen-blicke von aktuellem Interesse sind nun endlich die beidenPunkte noch, die ich zuni Schlüsse berühren möchte. Ich meinedie Stellung der sozialen Bewegung zur Reli-gion und zur Nationalität. Weil hier so leicht daspersönliche Empfinden, das Temperament den klaren Blickdes Beobachters trübt, ist es doppelt geboten, daß sich gänz-liche Leidenschaftslosigkeit zur strengen Pflicht derjenigemache, der diese Probleme objektiv behandeln will. Es gelteden Versuch!

Von dem englischen Arbeiter abgesehen, der zwischenPietismus und Positivismus heute noch wie vor einem