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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

blicken des staatlichen Lebens leider nie ganz beiseite gesetzt werden,machten sich fühlbar. Fürst Hohenlohe galt für einen großen Feld-herrn; der König hatte ihn als solchen bezeichnet. Von Nüchelssoldatischer Begabung erwartete die Armee sehr viel. Beide Generalesollten nicht ohne ein selbständiges Kommando bleiben, in dem sieihre Gaben betätigen konnten. Es wurden also statt einer dreiArmeen gebildet. Statt eines einzigen Hauptquartieres standendrei an der Spitze. Dazu kam noch ein Reservekorps unter demHerzog von Württemberg; denn die strategischen Reserven triebenin der derzeitigen sublimen Auffassung von der großen Kriegführungihr Wesen. Nun war aber auch der König noch bei der Armeewie er erklärte, um die Energie ihres Handelns zu erhöhen. Selbst-verständlich aber wurde er bei dem monarchischen Zug, der Staatund Heer erfüllte, als der eigentliche Oberbefehlshaber angesehen.Der Herzog tat nichts, ohne seine und seiner Umgebung Zu-stimmung. Friedrich Wilhelm III., der selbständige Handlungenseiner Generale überhaupt nicht gern sah, behielt sich auch, ohneselbst Befehle zu geben, die Entscheidungen vor. Galt es, solchezu treffen, so zog er seine Vertrauensmänner zu Rate. Am Endewar es nicht ein Einzelner, der die Operationen leitete, sondernein Kongreß und dies gegenüber dem einheitlichen starken Willeneines Napoleon .

Während der Versammlungsmärsche wurden die von Scharn-horst längst vorgeschlagenen und auch 1805 schon einmal gebrauchten,aus den drei Waffen gemischten Divisionen als selbständige Truppen-einheiten geschaffen. Diese Maßregel war im Sinne einer fort-schreitenden Kriegführungslehre wohl gut, ihre Durchführung imAugenblicke aber verderblich. Woher sollten die Generale genommenwerden, die zur Führung solcher großen selbständigen Körper be-fähigt waren und die es verstanden, trotz der Trennung einheitlichzum gemeinsamen Zwecke zu handeln? Es fehlte ihnen nichtweniger als Einsicht, Erfahrung und Übung darin. So blieb nurdie Teilung, d. h. die Zersplitterung der Kräfte als wirkendesElement von der Neuerung übrig. Die Hauptarmee unter demHerzog von Braunschweig zerfiel in sechs, die Armee Hohenlohesin fünf, diejenige Rüchels in drei Divisionen. Eine jede vonihnen besaß eine Vorhut leichter Truppen, zwei Jnfanterie-brigaden zu fünf Bataillonen, zwei Batterien und eine Kavallerie-masse, deren Stärke zwischen 10 und 2S Schwadronen nebst