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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Mobilmachung. Ungenügende Vorbereitungen

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vor Ungemach zu bewahren. Darein hatte sich kein Unberufenerzu mischen.

Wie der ersehnte Sieg unter den augenblicklichen Bedingungenmit schwächeren Kräften, die zudem nur eine Exerzierplatzausbildungbesaßen, gegen eine kriegserfahrene Übermacht erfochten werdensollte, war vollkommen unklar. Man getröstete sich der trefflichenEigenschaften der von ganz Europa noch immer bewunderten Armee.Vielleicht wäre ein Zurückweichen an die Elbe, ja sogar weiterhinzur Oder, um sich der russischen Unterstützung zu nähern, dasSicherste gewesen. Aber die ganze Tendenz des Krieges, das An-sehen des preußischen Staates und der Heeresmacht des großenKönigs widersprachen dem. Vorwärts mußte gegangen werden.

Der Herzog von Braunschweig schlug die Bildung einer einzigengroßen Armee vor, die sich um Naumburg versammeln und südlichin der allgemeinen Richtung auf Bayreuth vorgehen sollte. Eswar der beste Vorschlag, der in dem unglücklichen Kriege gemachtworden ist; denn an Einsicht gebrach es dem Herzog nicht. Erwar auch nicht unbekannt geblieben mit den Erscheinungen derneueren Kriegführung; er besaß den richtigen Blick für seinesGegners Größe. Was der preußischen Armee fehle, wußte er nurzu gut. Leider aber erfüllte seine Einsicht ihn nicht mit ver-wegenem Entschlüsse und festem Willen, fondern nur mit Unsicher-heit. Er suchte in seiner und vornehmlich in des Königs Umgebungnach Beifall für seine Pläne, und was er vorgeschlagen hatte,erschien der Gelehrtenstrategie der Zeit zu wenig kunstvoll. Manvergesse nicht, daß selbst ein Scharnhorst in seiner Studie überdie Schlacht von Marengo schrieb:Je mehr eine Armee ihreZuflucht zu den Künsten der Strategie nahm, um desto mehr standsie in Korps verteilt" als ob das Teilen Hauptsache sei. Undweiter heißt es:Der General, dem es an Kenntnis des Landes,an der Kunst, geschickte strategische Entwürfe zu machen, auch vor-zubereiten und auszuführen, fehlt, wird immer mehr beim Deta-chieren, beim Verteilen der Armee gegen einen anderen, der ihmüberlegen ist, den Kürzeren ziehen und vielleicht am besten tun,sich konzentriert zu halten und gerade darauf zu gehen. DieKaiserlichen scheinen zu diesem verzweifelten Entschluß, bei welchemalle Strategie aufhört, am Ende des Krieges gekommenzu sein."

Persönliche Rücksichten, die auch in den ernstesten Augen-