Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

H. Der Krieg von 1806 und 1807

aber in der ersten Zeit noch vielfach mit deren Kolonnen. Dieganze Heeresmasse zählte 160000 Mann. Sie blieb in naher Ver-einigung, so daß sie nach vorwärts in 3, nach der Seite in2 Tagen auf einem Schlachtfelde zusammengezogen werden konnte.Am 8. Oktober begann sie von Bayreuth und Bamberg aus ihrenMarsch, den Kaiser in der Mitte. Den gelehrten Strategen derZeit erschien dieses Hindurchgehen zwischen der Saale und dernahen böhmischen Grenze als ein gefährliches Beginnen. Siemochten daran nicht glauben, und um so unerwarteter kam es. EinBlick auf die Karte genügt, um zu erkennen, daß Napoleon vomersten Schritt an, den er tat, die rückwärtigen Verbindungen derpreußischen Armee auf das ernsteste bedrohte, und daß die wahr-scheinliche Folge davon die Schlacht mit verkehrten Fronten seinwürde. Diese aber endet in der Regel mit der völligen Nieder-lage des einen Teiles.

Inzwischen hatte die preußische Armee begonnen, sich nördlichdes Thüringer Waldes zu sammeln. Am 4. Oktober standen nurnoch die Sachsen und Tauentzien, beide zur Armee Hohenlohesgehörig, östlich der Saale . Schon aber dämmerten die erstenZweifel herauf, ob es noch gelingen könne, Napoleon jenseits desThüringer Waldes zu überraschen, oder ob man ihn nicht dortschon in starker Stellung versammelt finden werde. Der Herzogvon Braunschweig scheute jeden gewagten Schritt. So trat er dennauch jetzt mit der eigenen Meinung nicht hervor, und im Herzenleitete ihn der verderbliche Wunsch, sich schieben zu lassen, stattmit kräftiger Hand in das Rad der Geschichte zu greifen. Er tat,was der Unentschlossene in solcher Lage zu tun pflegt und beriefim Hauptquartier zu Erfurt am 4. Oktober die angesehenen Generaleund höheren Offiziere der Armee zu einer Versammlung. Stattzu handeln, wurde beraten, und mit oder ohne Geist und Sach-kunde über das zu Beginnende gestritten. Drei kostbare Tagegingen darüber verloren, und endlich kam nur etwas Halbes zu-stande. Recht lebendig bewahrheitete sich des großen KönigsWort:Bei einem Kriegsrat kommt niemals etwas anderes her-aus, als daß die timide Partei am Ende den großen Haufenausmacht."

Eine Bereitschaftsstellung nördlich des Gebirges wurde be-schlossen. Rüchel mit Blücher sollten bei Eisenach und Langensalza , dieHauptarmee bei Gotha und Erfurt, Hohenlohe südlich von Weimar