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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Die Erfurter Beratungen

ZI

der Dinge warten, die da kommen würden. Ging der Feind über denThüringer Wald vor, so wollte man ihm angriffsweise entgegen-gehen oder vereinigt Widerstand leisten. Erschien er dagegen rechtsder Saale , dann sollte diese überschritten werden. Von hier abteilten sich die Meinungen. Es scheint, daß der Herzog vonBraunschweig dann weiterhin anzugreifen gedachte, Hohenlohe ineine Stellung einrücken wollte, um den Franzosen den Vormarschzu verlegen.

Der Angriff über die Saale hinweg wäre für ein HeerFriedrichs gegen die Franzosen von Roßbach nichts Außergewöhn-liches gewesen, uud der große König würde nicht einen Augenblickdavor zurückgeschreckt sein. Für die Preußen von 1806 war es einemNapoleon gegenüber höchst gefährlich, denn der Linksabmarsch er-forderte Zeit, das Durchschreiten des Saaletales und die Entwicke-lung zum Angriff große Gewandtheit der Truppen uud Ent-schlossenheit aller Führer. Beides fehlte der Armee. Man berechneteauch, daß der Angriff erst am 11. Oktober werde stattfinden können,und bis dahin hätte Napoleon Zeit genug gefunden, sein Heer zuvereinigen und mit Überlegenheit aufzutreten.

So war das Vorlegen weniger gefährlich. Aber es eröffnetenur geringe Aussicht auf einen Sieg. Dieser konnte jedenfallskein entscheidender sein. Eines solchen aber bedürfte man, um diezaudernden Bundesgenossen, die noch immer von Mißtrauen gegenPreußen erfüllt waren, mit kräftigem Schlage fortzureißen.

Deutschlands großer Kriegslehrer Clausewitz hat dem Ab-warten in einer Flankenstellung hinter der Saale , um nötigenfallsüber den Feind herzufallen, wenn er an dieser vorüberging, dasWort geredet. Aber es wäre dabei unzweifelhaft zur Schlacht mitverkehrter Front gekommen, und diese hätte aller Wahrscheinlichkeitnach zur Vernichtung der Verbündeten geführt.

Nachdem der Gedanke an das Vorgehen über den ThüringerWald aufgegeben worden war, wäre es jedenfalls das beste ge-wesen, die Bewegung über die Saale sogleich anzutreten, denn dasAbwarten konnte die ungünstigen Verhältnisse nicht ändern. Jefrüher man jenseits der Saale eintraf, desto mehr Hoffnung warvorhanden, auf Teile der französischen Armee, nicht aus die ganzezu stoßen. Man hätte denken und handeln sollen, wie Napoleon es in denselben Tagen tat. Aber das Zögern erklärt sich aus derScheu vor dem Kampfe mit dem gefürchteten Gegner, und jeder