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Napoleons rückwärtige Verbindungslinien vorzutreiben, um zu sehen,ob die französische Armee dort wirklich so unempfindlich sei, wiees vielfach behauptet wurde. Der Herzog, an seinem System derVorsicht festhaltend, hielt Reiter allein ohne Rückhalt für gefährdetund schlug dem Könige vor, die ganze Avantgarde der Hauptarmeesowie diejenige Rüchels über das Waldgebirge zu entsenden. Erstam 14. Oktober sollten sie wieder zum Heere stoßen. Mehr als12000 Mann der besten Truppen wurden auf diese Art am ent-scheidenden Tage vom Schlachtfelde ferngehalten. Fast wäre ähn-liches auch auf der anderen Seite rechts der Saale geschehen; dennals der Herzog von Braunschweig Hohenlohe den Befehl gab, zurSaale zurückzukehren, trug er ihm auf, die Division Tauentzienauf Dresden abrücken zu lassen, als ob die Sicherheit der sächsischenHauptstadt von der Aufstellung einer so geringen Truppenzahlund nicht vielmehr vom Ausfall der entscheidenden Schlacht zwischenden beiden großen Heeren abhinge. Die unheilvolle Maßregel kamindessen nicht zur Durchführung. Tauentzien mußte am 10. wohloder übel mit den Sachsen vereint den Rückzug auf Jena antreten,den der persönlich bei Mittel-Pöllnitz erschienene Fürst Hohenlohe,beunruhigt durch das von Saalfeld herübertönende Geschützfeuer,endlich anordnete. Zu selbständigen Operationen gegen einen weitüberlegenen Feind waren die Truppen nicht mehr imstande.
Am 11. Oktober hätte nun der Saaleübergang der vereinigtenArmeen stattfinden sollen, aber der Herzog von Braunschweig hatihn wohl nur pflichtmäßig, ohne Vertrauen auf einen guten Aus-gang, eingeleitet, und die Unfälle von Schleiz und Saalfeld brachtenseinen Entschluß vollends zu Fall. Er gedachte sich nunmehr ganzauf passive Abwehr zu beschränken, und mit Genehmigung desKönigs wurde dazu die schnelle Versammlung der Hauptarmee umWeimar, der Hohenloheschen zwischen Weimar und Jena, sowie dieHeranziehung Rüchels gegen Weimar befohlen. Der Herzog vonWeimar und General v. Winning, die mit den beiden entsendetenAvantgarden nach dem Thüringer Walde aufgebrochen waren,wurden wieder zurückgerufen, doch kamen sie schon zu spät.
Auch der 11. Oktober wurde für das Heer ein unheilvollerTag. Die Unentschlossenheit der Führung blieb niemandem mehrverborgen. Sie gab sich kund in dem anstrengenden Hin und Herder Märsche, in der allgemeinen Ungewißheit über das, was ge-schehen sollte, und nicht minder in dem immer herber einreißenden
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