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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

vom übrigen Heere bedrohend. Inzwischen scheint Louis Ferdinand die Nachricht erhalten zu haben, daß der Saaleübergang auf-gegeben sei, und er sah nun die Notwendigkeit eines schnellenRückzuges aus seiner gefährdeten Lage ein. Um ihn zu ermöglichen,verfiel er dabei leider auf die so allgemein übliche, von der herrschendenMeinung der Zeit in Preußen bevorzugte Zersplitterung seinerTruppen in mehrere einzelne gemischte Abteilungen, die den Ab-marsch stufenweise sichern sollten. Der herzhafte und an sichrichtige Entschluß, sich durch einen Vorstoß Luft zu machen, lagviel zu sehr in seinem Temperament, als daß er ihn hätte über-gehen können. Allein es fehlte die hinreichende Kraft dazu. Mitnur 3^/2 von seinen 10 Bataillonen trat er unter klingendemSpiel und in den üblichen Echelons gegen den an den überhöhendenWaldrändern wohlgeborgenen und stärkeren Feind zum Angriffean. Natürlich ward er geschlagen. Bei dem Versuch, die be-drängte Infanterie durch einen Kavallerieangriff zu retten, fander den Heldentod, und seine führerlose Division wurde zum größtenTeile gesprengt. Sie verlor 29 Offiziere, 1800 Mann und fastalle ihre Geschütze. Aber dieser Verlust wog nicht so schwer, alsder des ritterlichen Prinzen, auf den die Armee große Hoffnungengesetzt hatte. Lange hat ihn fälschlich der Vorwurf eines un-besonnenen Angriffs auf feindliche Übermacht belastet. Sowohlsein Vorgehen nach Saalfeld als der Angriff waren in den Ver-hältnissen durchaus begründet, und sein Fehler allein der, daß aucher schließlich in der Ausführung auf dem Schlachtfelde nichtsBesseres zu tun wußte, als was er auf den Revueplätzen gelernthatte. Die Schuld trifft vor allem das Hohenlohesche Haupt-quartier, von dem er entweder gar nicht oder doch nicht rechtzeitigbenachrichtigt wurde, daß die Sicherung des Flußtales zwecklosgeworden sei. Leider verbreiteten Flüchtlinge im ganzen Heere dieNachricht von einer großen Niederlage und schufen den Boden fürdüstere Stimmungen, sowie die Ahnung des kommenden Unheils.

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Augenscheinlich nahte die Entscheidung heran. Dennoch ge-schah weiteres, um nicht einmal die ganze, an der Saale ver-sammelte Kraft in den Kampf um die Existenz des preußischenStaates eintreten zu lassen. Der Hauptmann v. Müffling hatteseiner Meldung den Vorschlag hinzugefügt, die Reiterei auf