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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Schleiz. Der Herzog von Braunschweig und Hohenlohe

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schon am 7. Oktober abends 10 Uhr aus der gefährdeten Stellungabgerückt. Nach zwei geschickten Märschen stand er am 9. früh beiSchleiz , als dort die Spitze der mittleren französischen Kolonneerschien. Leider zögerte er zu lange mit dem weiteren Rückzüge;seine Nachhut wurde am Nachmittage mit Überlegenheit angegriffen;die Schwerfälligkeit der unteren Führung machte sich fühlbar, undeine ziemlich empfindliche Schlappe war die Folge des allzu langenWartens. Die Verluste beliefen sich auf 12 Offiziere, 554 Mann.Nach einem abermaligen Nachtmarsche vereinigte sich Tauentzienmit den Sachsen. Zu den Anstrengungen hatte sich inzwischen einuuliebsamer Gast gesellt, nämlich der Hunger. Seit dem Abmärschevon Hof fehlte das Brot, das aus den Magazinen nicht heran-gekommen war, und sich das Nötige aus den wohlhabenden Dörfernzu nehmen, die man durchzog, war gegen den Brauch der Armee.Es hätte als Plünderung oder Raub gegolten.

So begann der 10. Oktober mit wenig erfreulichen Aussichten.Der Herzog hatte dem Plane Hohenlohes seine Genehmigung ver-sagt. Er mahnte von neuem zur Versammlung aller Kräfte ander Saale , und schweren Herzens entsagte Hohenlohe seiner Lieb-lingsidee. Er hielt nun das Gros des Heeres an der Saale fest,benachrichtigte aber die Avantgarde, die bei Nudolstadt stand, nichtvon der Änderung, vielleicht in der stillen Hoffnung, es könnedoch noch zu der ersehnten Versammlung bei Mittel-Pöllnitz kommen.Diese sollte durch die Avantgarde im Saaltale gesichert werden;denn der Übergang wäre natürlich unmöglich geworden, wenn derFeind schnell saaleabwärts vordrang. Um es zu verhindern,marschierte Prinz Louis Ferdinand , der Führer der Avantgarde,am 10. Oktober früh nach Saalfeld ab und stellte sich dort mitdem Rücken gegen die Saale auf. Er gedachte nur so lange zuwarten, bis der Übergang vollzogen sein werde oder die nach-folgende Hauptarmee heran sei, um ihn abzulösen; dann wollteauch er auf Mittel-Pöllnitz abmarschieren. Sollte der Feind er-scheinen, so hoffte er, einen ersten Angriff siegreich abzuweisen unddie Nachricht von einem Erfolge dem übrigen Heere mitzubringen.Allein es ist immer gefährlich für den Truppenführer, sich vomGange der Dinge im voraus ein sicheres Bild zu machen. DerFeind, das Korps Lannes , kam, aber es griff nicht an, sondernumging an den gegenüberliegenden Waldrändern des PrinzenStellung nach Norden hin, ihn so mehr und mehr mit der Trennung

Frhr , v, d> Goltz, Kriegsgeschichte 3