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Dabei sollten die rechte und mittlere Kolonne ihre Rolle tauschen,um die Wege zu kürzen, die mittlere den rechten Flügel bei Naum-burg erhalten, die rechte gegen Jena ausbiegen und die linke eben-dorthin heranrücken. Während sich dies vollzog, waren die Preußenund Sachsen mit der Einrichtung ihrer Lager beschäftigt, denen diewunderliche Front gegen Südwesten gegeben wurde. Nichts waram rechten Saaleufer zurückgeblieben, um die französischen Be-wegungen zu überwachen, trotz der zahlreichen Reiterei, die demHeere zur Verfügung stand. Es scheint, daß man die Masse derfranzösischen Armee zwischen Jlm und Saale erwartete. Somußte die Einschwenkung der großen Armee nicht die Front,sondern die linke Flanke der Verbündeten treffen, und diese dernatürlichen Rückzugslinie berauben. Wohl wäre es noch an derZeit gewesen, sich durch einen schnellen Abmarsch nach der Elbe mit der Armeereserve unter dem Herzog von Württemberg zuvereinigen und sich der Gefahr zu entziehen. Aber der Tag bliebungenützt, weil die Lage nicht erkannt wurde und weil das Ab-warten zum Schicksal des Hauptquartieres geworden war.
In der Nacht zum 13. Oktober erfuhr Napoleon , das könig-liche Hauptquartier sei von Erfurt nach Weimar gegangen. „DerSchleier ist zerrissen, der Feind zieht ab," rief er aus. Aber dannkamen wieder Zweifel, ob es sich nicht vielleicht um einen Angriff gegendie linke Kolonne handele, ehe die anderen ihr zu Hilfe kommenkonnten. Am Vormittage des 13. endlich meldete Lannes, daß30 000 Preußen bei Jena im Lager stünden. Nun nimmt derKaiser die Armee des Königs in voller Stärke geschlossen beiWeimar an und ordnet demgemäß seinen Angriff mit völligerUmfassung der linken feindlichen Flanke. Lannes soll über Jena,Soult rechts von ihm, Augerau links von ihm, Bernadotte überDornburg, und Davout über Naumburg vorgehen, das gemeinsameZiel Weimar sein. Ney und die Garden rückten als Rückhaltnach Jena heran. Der Kaiser glaubte seiner Sache vollkommengewiß zu sein; aber auch er sollte sich täuschen. In elfter Stundenoch brach die preußische Hauptarmee wirklich nach der Elbe hinauf. Am 12. Oktober nachmittags hatte sich bei ihr die Nachrichtverbreitet, daß Naumburg vom Feinde besetzt, die Armee also um-gangen und vom Lande abgeschnitten sei. Anfangs bezweifelt,wurde die erschreckende Kunde durch Flüchtlinge bestätigt. DerHerzog berief von neuem seine Umgebung und die Generalstabs-