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II. Der Krieg von 1806 und 1807
chefs zur Beratung; der Abmarsch gegen die umfassende Spitze derfranzösischen Armee in der Richtung auf Naumburg wurde be-schlossen, und dies war, wie die Umstände nun einmal lagen,vielleicht das beste, das sich überhaupt noch tun ließ. Aber leidertat es der Herzog wieder nur nach alter Weise mit pedantischerLangsamkeit. Nicht in einem Zuge, sondern nach und nach solltedie Bewegung sich vollziehen, Hohenlohe am 14. noch in seinerbedenklichen Stellung stehen bleiben, Rüchel nur bis Weimar insalte Lager der Hauptarmee folgen.
Auch so aber noch schuf die wunderliche Laune des Schicksalsfür die preußische Armee zum letzten Male eine unerwartet günstigeLage. (S. Skizze 2.) Leider wurde sie verkannt. Fünf Divisionenund eine leichte Brigade der preußischeu Hauptarmee mußten am14. Oktober auf die drei Divisionen des von Naumburg heran-kommenden Marschall Davout stoßen und hätten ihn erdrückenkönnen, wären sie ihrer Übermacht inne geworden. Hätte nun, wiees natürlich war, der Herzog Rüchel am 14. noch gleich der Haupt-armee folgen lassen, statt daß er bei Weimar wartete und wäreHohenlohe die Freiheit geblieben, hinter die Jlm zurückzuweichen,so würde sich auf dem Schlachtfelde von Auerstädt fast die ganzepreußische Armee zusammengefunden haben, und ein Sieg wäregleichsam unvermeidlich geworden. Die Welt hätte nicht ver-fehlt, das überlegene Feldherrntalent des Herzogs, der den richtigenAugenblick zum Handeln abgewartet habe, in lauten Tönen zupreisen. Dies würde ihm Vertrauen zu sich selbst und dem Heere,sowie dem Lande Vertrauen zur Führung gegeben haben. AberPreußens Schicksal wollte eine solche Wendung nicht.
Das schlimmste von allem war die Weisung an Hohenlohe ,jeden Kampf zu vermeiden; denn dies hing nicht von ihm, sondernvom Feinde und den Umständen ab. Nie soll der entfernte Ober-befehlshaber dem an Ort und Stelle handelnden Unterführer der-art die Hände binden. Tauentzien hatte in der richtigen Erkenntnis,daß er sich großer Überlegenheit gegenüber befände, Jena schonam 13. Oktober früh geräumt und war nach dem Dornberge aufder Hochfläche des linken Saaleufers zurückgegangen. Leider hatteer es verabsäumt, an den steilen Talrändern Beobachtungspostenzurückzulassen, und von nun ab erfuhr weder er noch Hohenlohe,was drunten bei Jena vorging. Ihm folgend erstieg Marschall Lannes mit seiner Vorhut den weit gegen Süden hin vorspringenden