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II. Der Krieg von 1806 und 1807
preußischen Linie. Schon kam General Grawert zum Fürsten heranund beglückwünschte ihn zur gewonnenen Bataille, was dieser be-scheiden ablehnte. Nun wäre der Stoß nach Vierzehnheiligen hineinzu führen gewesen. Aber das lag nicht mehr in der Kampfweisevon Friedrichs Epigonen. Nicht wildes Handgemenge, sondern dieMacht der Bewegungen und des Feuers sollte entscheiden. Vier-zehnheiligen gegenüber machte die Linie halt, schwenkte allmählich,zumal mit dem linken Flügel, bei der Mühle von Krippendorfherum und schleuderte ihre Salven gegen den hinter Mauern,Hecken und Unebenheiten fast verdeckten Feind. Sie gaben wohlein prächtiges Schauspiel ab, aber ihre Wirkung war gering. DerWaffe hatte die tödliche Spitze gefehlt. Massenbach will den Vor-schlag gemacht haben, die ganze Kavallerie zu versammeln undeinzusetzen, um den Feind zu durchbrechen und zu werfen. Wenndas wahr ist, so hatte er recht: „Stillstehen und Abwarten mußteuns den Tod bringen." Aber der letzte kräftige Schlag unterblieb.Der Fürst hatte Nüchel zum Herankommen aufgefordert; man sahsich nach Rüchel um, und von Rüchel war nichts zu sehen.
Die Zeit verstrich, die Verluste wurden groß, die Munitionbegann zu mangeln. Vierzehnheiligen blieb in der Hand derFranzosen , deren geschlossene Truppen hinter dem Dorfe gegen daspreußische Feuer Schutz suchten. Die Tirailleurs schössen in dieals Scheiben nahe vor ihnen stehenden preußischen Bataillonehinein, in denen die Lücken sich bedenklich mehrten. Das Kartätsch-feuer wirkte mit.
Zwei Stunden lang hielt die brave preußische Infanterie aus,ohne zu weichen. Rüchel war immer noch nicht zur Stelle. DerKaiser aber hatte seine Verstärkungen mittlerweile herangezogen.Marschall Soult, durch das Verschwinden Holtzendorffs frei ge-worden, wendete sich dem Kampfplatz auf dem rechten Flügel zu,Augereau tat es links bei Jsserstädt und an der Schnecke. Hinterder Mitte gesellte sich das Korps Ney zu den Garden. Lanneshielt noch immer die vordere Linie. Auch die Kavalleriedivisionentrafen eine nach der anderen ein. Damit war die Schlacht fürPreußen unrettbar verloren.
Es wurde 1 Uhr nachmittags, und noch immer konnte sichHohenlohe zum Rückzüge nicht entschließen; er wartete weiter aufRüchel. Da brach die Flut der Feinde über ihn herein, und anein Halten war nicht länger zu denken. Die Reste der zusammen-