Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

Die Katastrophe. Rüchel bei Kapellendorf

45

geschossenen Bataillone wichen; die französische Kavallerie fiel übersie her, nur wenige bewahrten eine gute Haltung; die meistenwurden zersprengt oder gefangen.

Der dritte vereinzelte Akt der Schlacht war vorüber.

Der Schrecken, der sich der großen Mehrzahl der Truppenjetzt bemächtigte, ist leicht erklärlich. In dem würdigen Marsch-tempo jener Zeit waren die Bataillone tadellos avanciert undhatten mit der vorzüglichsten Ruhe und großer Schnelligkeit ihrSalvenfeuer abgegeben. Sie waren stets gelehrt worden, daß diesesMittel unfehlbar zum Siege führe. Jetzt hatten sie erfahren, daßdas eine bittere Täuschung war und daß sie auf einen Gegnergetroffen seien, bei dem es nicht anschlug. Sie erlitten die größtenVerluste, ohne ihm Gleiches mit Gleichem vergelten zu können.Die Unmöglichkeit, etwas gegen das verheerende Feuer der feind-lichen Tirailleure zu tun, brachte die Mannschaft außer Fassung."

Die Armee war fast schon zu einem Strome von Flüchtlingenaufgelöst, als jetzt nachmittags 2 Uhr General v. Nüchelmit seinem Korps bei Kapellendorf eintraf. Der Grund der Ver-spätung ist ein Rätsel geblieben, wie die Kriegsgeschichte sie mitsich bringt. Vom frühen Morgen ab hatte er den Kanonendonnervon den beiden Schlachtfeldern dieses Tages gehört, und um 9 Uhrdie erste Aufforderung Hohenlohes erhalten. Er will sogleich auf-gebrochen sein. Trotzdem wurde die Spitze seiner Truppen erstum 1 Uhr nachmittags westlich von Kapellendorf sichtbar. DerWeg dahin hatte kaum eine deutsche Meile betragen. An eineabsichtliche Zögerung ist bei Nüchels ritterlichem Charakter nichtzu denken. So bleibt zur Lösung nur übrig, daß er die Zeitmit umständlichen Anordnungen und unnützem Beiwerk derTruppenbewegung verloren hat. Zu retten war die Schlacht nichtmehr. Vielleicht hätte eine Aufstellung auf den Höhen hinterKapellendorf den Rückzug der Armee in geordnete Bahnen lenkenkönnen. Aber ein solches Verhalten lag nicht im TemperamentRüchels und nicht in der Erziehung seiner Truppen. Sie kanntennur ein Vorwärts. Es ging also durch das tiefgelegene und engeKapellendorf hindurch gegen die jenseitigen Höhen, auf denen diesiegreichen Franzosen zu erscheinen begannen. Aber der Versuch wurdenicht einmal mit ganzer Kraft unternommen. Schon bei Weimar hatte Rüchel eine gemischte Abteilung unter General v. Wobeserzurückgelassen, um die Verbindung mit dem Herzog von Weimar