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II. Der Krieg von 1806 und 1807
und Winning aufrecht zu erhalten. Jetzt blieben westlich Kapellen-dorf nicht weniger als drei gemischte kleine Reserven stehen. AuchKapellendorf blieb besetzt. Nur 11 schwache Bataillone stiegen vondort die östlichen Höhen hinan mit großer Entschlossenheit und inprächtiger Ordnung, aber dennoch vergeblich. Der Stoß scheitertean der breiten, schon entwickelten französischen Front und ihremheftigen Geschütz- und Gewehrfeuer. Nach einer halben Stundeflutete auch Rüchels Korps zertrümmert wieder über Kapellendorf zurück. Der General selbst war durch einen Schuß in die Brustschwer verwundet, blieb aber zu Pferde. Ein Erfolg, den diesächsische Kavallerie rechts neben Nüchel um dieselbe Zeit erfochtenhatte, blieb unter diesen Umständen ohne Wirkung.
Noch immer aber hielt die sächsische Division, die an derSchnecke gelagert, diese besetzt und verteidigte sie beharrlich gegenAugereau. Sie konnte sich nicht ohne einen höheren Befehl zumRückzüge entschließen, und dieser begann erst, als das Getümmelder Schlacht sich längst in ihrem Rücken bewegte. Nun versuchtesie auf Weimar abzumarschieren, aber sie vermochte ihrem Schicksalnicht mehr zu entgehen. Bald von allen Seiten umringt undangegriffen, fiel sie dem Feinde in die Hand. Nur der komman-dierende General v. Zeschwitz, der sich bei ihr befand, schlug sichmit einigen Schwadronen durch, wie Fürst Hohenlohe sich imKarree des sächsischen Grenadierbataillons Winkel die Bahn durchden Feind gebrochen hatte.
Das waren die beiden Schlußakte des wunderlichen Dramas.
Einige preußische Abteilungen, die am Schwabhäuser Grundegestanden hatten, teilten das Los der Sachsen, ohne vorher zumKampfe gekommen zu sein.
Die Schlacht war vollständig beendet, als ein letzter Überfalldie Flüchtlinge sprengte, die sich unter dem Schutze der AbteilungWobesers und zweier am Webichtholz bei Weimar verbliebenerBataillone wieder gesammelt hatten. Erst 8000, dann 5000, dann25 000, zuletzt 12000 oder vielleicht 15 000 Mann hatten je einebesondere Schlacht für sich geschlagen, ohne Zusammenhang, ohnegemeinsames Ziel und waren eine Gruppe nach der anderen trotzaller Tapferkeit dem jedesmal stärkeren Feinde erlegen. Das wardie Folge von Planlosigkeit und Zersplitterung der Kräfte. Napoleon scheint von den 96000 Mann, die er bis zum Mittag auf demSchlachtfelde versammelte, noch nicht zwei Drittel wirklich verwendet