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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Der Kampf um Hassenhausen

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Napoleon vereinigt bei Weimar annahm. Um 6 ^ Uhr überschrittdie vorderste Division, Gudin, die Saale bei Kösen , und ihreschwache Avantgarde focht den ersten glücklichen Zusammenstoßdicht östlich von Hassenhausen aus. Sie besetzte das Dorf, mar-schierte mit einem Regiment südlich, mit den übrigen nördlich da-von auf. Hassenhausen spielt hier sehr bald eine ähnliche Rollewie Vierzehnheiligen bei Jena.

Die beiden anderen Divisionen Friant und Morand solltenunmittelbar darauf folgen, trafen aber erheblich verspätet nach-einander auf dem Kampfplatze ein. Dort erschien jetzt von Tauchwitzher die preußische Division Schmettau und marschierte nördlich derLandstraße auf. Voreilig riß der alte Feldmarschall Möllendorff, sichan Schwerins Beispiel bei Prag erinnernd, sie zum Angriff fort.Der Herzog von Brauuschweig sandte zur Division Wartenslebenund bezeichnete ihr die überragende Höhe südlich von Hassenhausen für den Aufmarsch. Mit dem Beginn des Kampfes waren Feuerund Tatkraft in alter Weise bei ihm erwacht. Aus seinen Äuße-rungen läßt sich schließen, daß ihm das Richtige vorschwebte, nämlich,mit den beiden vorderen Divisionen solange abzuwarten, bis dieArmee im ganzen heran sei, um dann zum großen einheitlichenAngriff zu schreiten. Allein das Schicksal wollte nicht, daß ihmdie Ausführung vergönnt sei. Bald stürzte er tödlich verwundetvom Pferde, und die Leitung der Schlacht hörte schon in ihremAnfang auf.

Der Angriff der Division Schmettau ging anfangs gut vor-wärts. Sie allein vermochte jedoch den Feind nicht zu werfen undHassenhausen zu nehmen. Dem Dorfe gegenüber kam sie zumStehen. Dort verlängerte die Division Friant nebst der Kavallerie-brigade Vialannes Gudins Schlachtlinie nach rechts hin undging gleichzeitig auch mit einem Teil ihrer Kräfte gegen Spiel-berg vor, die preußische Linke umfassend. Vergeblich suchteeine kleine Abteilung preußischer Königin-Dragoner diese bedrohlicheBewegung durch einen glänzenden, der Väter von Hohenfriedberg würdigen Angriff aufzuhalten. Die kleine Schar vermochte nurden Beweis zu liefern, was eine große Kavalleriemasse, rechtzeitigeingesetzt, hier hätte ausrichten können.

Inzwischen marschierte rechts von Schmettau die DivisionWartensleben auf und schritt gleichfalls zum Angriff. Anfangskam auch sie glücklich vorwärts und drängte die Ketten der feind-

Frhr, v. d, Goltz, Kriegsgeschichte 4