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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1307

lichen Tirailleurs gegen Hassenhausen zurück, das Dorf mehr undmehr auf der Südseite umfassend. Jene nisteten sich indes inHecken, Hohlwegen und hinter Mauern ein und empfingen dieaufrecht stehenden preußischen Linien mit heftigem Feuer. MarschallDavout zog einen Teil der Truppen des rechten Flügels nach dorthinüber, und es entspann sich ein stehendes Feuergefecht, bei demsüdlich der Straße von Auerstedt nach Hassenhausen die Preußen,nördlich davon die Franzosen im Vorteil waren. Eine Ent-scheidung blieb aus; auf preußischer Seite fehlte auch hier, wie beiJena, der letzte Stoß. Hassenhausen wurde von den Franzosenvorübergehend verlassen, aber auch dies scheint unbemerkt gebliebenzu sein. In schneller Folge krachten dafür die so oft bewundertenpreußischen Bataillonssalven.

Die Wendung mußte eintreten, als die letzte Division Davouts hinter Hassenhausen eintraf. General Morand warf sein vorderstesRegiment sofort in das Dorf hinein, zog sich mit den übrigenlinks aus der Straße heraus, verlängerte dort die französische Schlacht-linie und begann nun seinerseits, die preußische zu umfassen. Hierwar ihm gegenüber zahlreiche preußische Kavallerie vorhanden, undes winkte ihr ein schöner Siegespreis. Von einem Seydlitz ge-führt, hätte sie sich in Massen zusammengeballt und die kämpfendefranzösische Linie von links her aufgerollt. Das hätte auch derInfanterie neue Tatkraft eingehaucht und hätte sie, das gefällteGewehr in der Faust, zum Sturme fortgerissen. Aber der Seydlitzfehlte. Nur zusammenhanglose Angriffe vereinzelter Regimenterfanden statt und wurden abgewiesen. Jedermann schickte nachBefehlen aus, niemand fand sich, diese aus eigenem Entschluß zuerteilen. Vergeblich ritt Prinz Wilhelm von Preußen an derSpitze der Blücher-Husaren in den Feind hinein. Sein Beispielwirkte nicht weit genug. Zudem ward er verwundet und seinPferd ihm erschossen. Ratlos standen die Schwadronen hier unddort herum, gaben endlich die Versuche auf, gingen über den Ems-bach zurück und kehrten dem Schlachtfelde den Rücken.

Während vorn bei Hassenhausen um das Schicksal des Vater-landes gekämpft wurde, hatten zahlreiche Truppen der Armee, diedas immer noch verstopfte Defilee von Auerstedt nicht zu passierenvermochten, mit Gewehr bei Fuß gewartet, was Gott weiter ver-fügen wolle. Selbständig auszubiegen und rechts oder links amDorfe vorbei den Emsbach zu durchschreiten, lag nicht in der Natur