Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

Kavallerieangriffe. Untätigkeit der Reserve

51

der Armee, die gewohnt war, alles nur auf Befehl oder Kommando-wort zu tun. Tropfenweise und durch weite Lücken getrennt,kamen die einzelnen Abteilungen an. Dem Könige hatte die Un-ordnung mißfallen, und er mühte sich, sie zu beseitigen, doch nurin der engeren Auffassung, daß er die einzelnen Divisionen ge-schlossener auf das Gefechtsfeld bringen wollte. Die Lage imgroßen hat sich seinem Blicke wohl entzogen. Er schickte zurDivision Oranien, sie solle in Ruhe heranrücken und aufmarschieren.Das kostete natürlich Zeit. Als sie endlich Gernstedt erreichte,traf sie ein erster Befehl, den linken Flügel der fechtenden Liniezu verstärken. Bald darauf folgte ein zweiter, beide Flügel zuunterstützen. Die epidemische Krankheit der Kräftezersplitterungwirkte fort. Unfehlbar hätten hier alle Kräfte nach rechts eingesetztwerden müssen. Als die beiden Halbdivisionen getrennt sich derFeuerlinie näherten, zeigte diese schon bedenkliche Lücken undflatternde, schwankende Bataillone, keine geschlossene Front. Siewirkten nur noch als Ersatz der Verluste und vermochten den vor-her so nahen Sieg jetzt nicht mehr zu erringen.

Bald fluteten die geschlagenen drei Divisionen gegen Auerstedthin zurück. Noch waren indes zahlreiche Reserven vom Kampfeunberührt geblieben, nämlich die beiden Divisionen Arnim undKunheim und die leichte Brigade Oswald. Diese hatte eigentlichbei General v. Blücher an der Spitze der Armee sein sollen, sichaber nicht zu ihm hindurch arbeiten können. Weil nach Meinungihres Generals sonst gerade nichts zu tun war, stellte sie sich beiSulza im Winkel zwischen Ems und Saale auf, und auch die zurDivision Kunheim gehörige Garde marschierte dorthin ab. Dieübrigen Truppen taten nicht viel anderes, als dem Schauspiele derSchlacht auf 4000 Schritt Entfernung beizuwohnen. Ihr Führer,General Graf Kalckreuth, trabte auf des Königs Befehl:Werfertig wäre, möchte machen, daß er vorkäme," mit der noch zurück-gebliebenen Kavallerie gegen das Schlachtfeld hin und fandte derInfanterie und Artillerie die Weisung, die Höhen von Eckartsberga nördlich Auerstedt zu krönen. Dort bildeten sie weiter die un-tätigen Zuschauer, trotzdem der Feind die Umgehung des linkenFlügels weiter und weiter ausgedehnt hatte und einmal schon ausPoppel, wo er die Straße nach Auerstedt erreichte, wieder hinaus-geworfen werden mußte.

Auf dem äußersten rechten Flügel, wo die leichten Truppen

4»