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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Die Kapitulation von Erfurt

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dorff, war gänzlich erschöpft in seine Wohnung gebracht wordenund zu jedem Eingreifen unfähig. Des Königs Schwager, derDivisionskommandeur Prinz von Oranien, der die doppelte Pflichttapferer Gegenwehr hätte empfinden sollen, unterzeichnete die ihmangebotene schmähliche Kapitulation. Der schwache Kommandantvon Erfurt fügte sich; keiner der anwesenden Generale widersprach,und die Reihe der ohne Not vollzogenen Waffenstreckungen, diePreußens alten Kriegsruhm verdunkeln sollten, war eröffnet.Truppen, die schon zum Abmärsche nach Langensalza bereit standen,wurden unbegreiflicherweise in die Übergabe eingeschlossen. DerHerzog von Weimar aber zog vorüber, ohne Ernsthaftes zur Ver-hütung des Unheils getan zu haben. An 10000 Kampffähigefielen widerstandslos in Feindes Hand.

Ein guter Teil derselben wurde freilich am 18. Oktober aufdem Marsche in die Kriegsgefangenschaft durch einen kühnen Hand-streich des Leutnants v. Hellwig vom preußischen Regiment Pletz-Husaren wieder befreit. Aber nur wenige haben später die Armeeerreicht, da in der allgemeinen Verwirrung keinerlei Maßregelngetroffen waren, vereinzelte Mannschaften dem Heere zuzuführen.So blieb auch diese schöne Tat zwar ein rühmliches Beispiel, abersast ohne praktischen Nutzen für König und Vaterland. Der Namedes Helden ist heute beinahe vergessen, während er in HellemRuhmesglänze strahlen sollte als Mahnung, daß sich von un-erschrockenem Mute auch in Zeiten des schwersten Unglücks Großesleisten lasse.

Die Führung des Heeres hätte, wenn der König sie nicht selbstübernehmen wollte, dem Fürsten Hohenlohe zufallen müssen. Auchdieser war im Augenblick durch das ungewohnte Gefühl, besiegt zusein, völlig gebrochen. Er hatte in der Nacht einige Stunden inSchloß Vippach gerastet, bis wohin ihn noch mehrere Kavallerie-regimenter begleiteten. Dann waren in der Dunkelheit auch diesevom Wege abgekommen, und der Fürst sah sich bald nur noch vonwenig Reitern begleitet. Er wollte umkehren, doch hinderte ihnseine Umgebung daran. Mit der erschütternden Selbstanklage:EinFeldherr, der ohne Armee davonreitet", ergab er sich in sein Geschickund erreichte auf der verzweifelten Suche nach seinem Heere am16. nachmittags Sondershausen , wo er am 16. früh 9 Uhr mitdem Könige zusammentraf, der seinen Weg ebendahin genommen hatte.

Auch in der französischen Armee machte sich nach den großen