vorzuziehen, fand keinen Boden mehr in den Gemütern. DerAufopferung von Leben und Gut hatte man sich entwöhnt, undnun, da auf feindlicher Seite ein gewaltiger Kriegsmann auftratund ohne Ehrfurcht vor der vielgepriesenen Kunst und Wissen-schaftlichkeit der Kriegführung mit dem scharfen Schwerte drein-schlug, da gab es dem verwöhnten mattherzigen Geschlecht keinMittel mehr, sich aufzuraffen und in verzweifeltem Widerstandedas Heil zu suchen. Da die herrliche, von Europa so oft be-wunderte Armee nicht vermocht hatte, den Dämon auf seinemSiegeszuge aufzuhalten, so erschien die Ergebung in das Schicksalund die Unterordnung unter den Willen des Gewaltigen als dasallein Verständige und des ernsten Mannes Würdige. Wie derSpieler nach einer verlorenen Schachpartie seine Figuren in denKasten wirft, fo dachten die meisten Männer in Heer und Volkjetzt an einen billigen Frieden, nachdem sie Bonapartes Überlegen-heit willig anerkannt hatten.
Dazu kam die entsetzliche Unselbständigkeit, die im Heere beihoch und niedrig durch Ausbildung und Fechtweise, und die imVolke durch ein System unaufhörlicher Bevormundung großgezogenworden war. Alles wurde von oben her erwartet, und jetzt, wodort die Kraft versagte, blieb nur eine willenlose Masse übrig, diesich noch dadurch vor allem Ungemach zu bergen trachtete, daß sievor der Größe des Unglücks die Augen schloß und tat, als seider Untergang von Heer und Staat allein Sache des Königs undseiner Räte.
Unzweifelhaft hat vieles von solchen Empfindungen auch inder Seele der pflichtvergessenen Kommandanten mitgewirkt, um sieihre Schmach unterzeichnen zu lassen. Sie glaubten einer ver-nünftigen, ihrer Stellung allein angemessenen Politik zu folgen,wenn sie kapitulierten. Sie taten es, um größerem Unglück vor-zubeugen, um dem Könige Truppen und Städte zu erhalten. Nurunbesonnene Tollköpfe durften es auf deren Zerstörung ankommenlassen, nicht kluge und erfahrene Männer. Alle diese Ausflüchtenüchterner Seelen und schwacher Gemüter finden sich in ihrenVerteidigungs-Reden oder -Schriften wieder, — und wahrlich nichtsie allein dachten in jenen Tagen so. Es hat damals unzweifel-haft mehr Leute im Vaterlande gegeben, die mit ihnen fühlten, alsdie Geschichte es jetzt verzeichnet, wo der Volksgeist wieder erwachtist und die Nemesis ihr Werk getan hat.