Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

Blüchers schneller Entschluß. Umkehr zur Elbe

77

5. Lübeck

Blücher war, Hohenlohes Spuren folgend, in der Nacht vom27. zum 28. Oktober in Lychen und Fürstenberg eingetroffen. EinTeil der Truppen hatte einen starken Marsch von 46 Kilometernhinter sich. Die Kavallerie vom Lannesschen Korps folgte ihnenauf den Fersen. In voller Frühe wurde am nächsten Morgenwieder aufgebrochen. Die französischen Reiter setzten hitzig nach,«ine leichte Beute witternd, aber da kehrten die preußischen Husarenvom Blücherschen und Usedomschen Regiments bei Lychen nocheinmal um, griffen den Feind herzhaft an, warfen ihn über denHaufen und nahmen ihm eine ansehnliche Zahl von Gefangenenab. Das war eine derbe Lektion, die preußische Truppen ihrenVerfolgern erteilten, und machte diese behutsamer. Gegen Abendtraf die Kolonne vor Boitzenburg ein, das der Feind genau wietags zuvor bei Hohenlohes Ankunft befetzt hatte nur daß erdiesmal stärker war. Blücher zögerte nicht einen Augenblick, ihnanzugreifen, und er wich.

Am 29. um 4 Uhr morgens stand alles im nächtlichen Nebelzum Abmärsche nach Prenzlau bereit. Dort hoffte man allgemein,sich mit Hohenlohe zu vereinigen und so ein Heer zu bilden, dasden Namen eines solchen wenigstens einigermaßen verdiente. DieOder war nahe und damit auch die Aussicht auf kurze Ruhe undSicherheit. Da kam die Hiobspost von dem Unerhörten, was tagszuvor geschehen war. Nun war guter Rat teuer. Hohenlohe hattesich vom Feinde abgeschnitten geglaubt, Blücher war es wirklich.Vor ihm standen Murat und Lannes , durch den großen Erfolgvon Prenzlau mächtig zu weiteren Taten angespornt, hinter ihmBernadotte, den leider die Aussagen der Einwohner von Branden-burg a. H. auf die richtige Fährte gesetzt hatten, ähnlich wie Land-leute bei Weimar und Erfurt Murats Kavallerie den Rückzug derpreußischen Armee nach dem Harz verrieten. Im Süden wußteer die Masse der französischen Armee in der allgemeinen Bewegungauf Berlin ; nur nach Nordwesten stand ihm noch ein Auswegoffen, und er entschied sich sofort für den Marsch auf Strelitz.Dieser einfache, schnelle Entschluß war der allein richtige. Einelange Überlegung des schärfsten Geistes hätte einen besseren nichtfinden können und sicher nicht die pseudowissenschaftliche Grübeleieines Massenbach, der doch vordem an strategischer Einsicht Himmel-