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II. Der Krieg von 1806 und 1807
hoch Über Blücher gestellt worden war. Dann besprach Blücherdas Weitere mit Scharnhorst. So handelt ein Mann von Herzund Pflichtgefühl.
Was hier in Eile zwischen den beiden Freunden verabredetwurde, war nichts Geringeres, als einer der kühnsten Pläne, diejemals in ähnlich verzweifelter Lage gefaßt worden sind. Er be-stand darin, umzukehren, sich mit dem noch weiter rückwärts heran-marschierenden Weimarschen Korps zu vereinigen, die Elbe wiederzu überschreiten und in Verbindung mit Magdeburg und Hameln den Krieg nach dem Westen zu verlegen, damit der König die Zeitgewänne, neuen Widerstand an der Oder vorzubereiten. An eineErhebung in Hessen und Westfalen, selbst an eine englische Landungwurde gedacht.
Dem Kühnen lächelt das Glück. Unbehelligt gelangte Blücheram 29. nach Feldberg und am 30. Oktober nach Dambeck, aufdem Wege nach Waren hin. An Neu-Strelitz , wo der Vater derKönigin Luise residierte, war er vorbeimarschiert. Keiner seinerhungernden Soldaten hatte das blühende Städtchen betreten dürfen,um Nahrung zu suchen. Auch Blücher huldigte noch der ängst-lichen Rücksicht auf das Privatrecht. Mit seiner Zeit ist jedermanndurch irgend eine Schwäche verbunden. Nur Dork tadelte bitter,daß man die eigenen Leute hungern ließe, um mit den geschontenVorräten den Feind zu füttern.
Am Abend in Dambeck kam die Freudenbotschaft, daß das bisdahin vergeblich gesuchte Weimarsche Korps ganz in der Nähe beimDorfe Speck stände. An Stelle des Herzogs, der nach einem Ab-kommen mit Napoleon und mit Genehmigung des Königs dieArmee verlassen hatte, befehligte es der alte, stets unerschrockeneGeneral v. Winning, der für einen tüchtigen Exerziermeister galt,aber auch ein braver Krieger war. Er hegte die Absicht, nachRostock zu marschieren, um seine Truppen zu Schiff dem Königewieder zuzuführen. Nun übernahm Blücher, als der im RangeÄltere, den einheitlichen Oberbefehl und sah sich so an die Spitzeeines Heeres von etwa 22 000 Mann gestellt. Mehr hatte auchder große König nicht beisammen gehabt, als er die Franzosen beiRoßbach schlug. Eine Aufforderung, die Waffen niederzulegen,wies er mit Ernst und Würde zurück.
Dafür keimte in ihm der Entschluß, eine Schlacht zu wagen.Mit richtiger militärischer Empfindung fühlte Blücher heraus, daß