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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Napoleons Borbereitungen gegen die Russen 87

Schweden zu überwachen und demnächst einen neuen Feldzug ander Weichsel aufzunehmen. Die Aufgabe wäre unlösbar geworden,wenn sich das Volk im Rücken des französischen Heeres erhobenund sich ein Mann gefunden hätte, die Massen in Bewegung zubringen. Auch ohne dies wurde sie schwierig genug.

Seit Mitte September waren Ersatzmannschaften zum Aus-gleich der Verluste von Frankreich her im Marsch, aber sie ver-mochten bei dem schnelleu Fortschreiten des Feldzuges die Armeezunächst nicht zu erreichen. Die Truppen aus Holland wurdenherangerufen, ein neues Grenadierkorps gebildet, die Bundesgenossenzur Beschleunigung ihrer Hilfe angetrieben, eine große Aushebungfür 1807 vorbereitet. Die Dragoner zu Fuß, die bei der Armeewaren, sollten auf Beutepferden beritten gemacht werden. Dieaufständischen Polen , die durch Dombrowski ihre Hilfe anbietenließen, erhielten die Aufforderung zur Bewaffnung, ohne daßNapoleon eine bestimmte Verpflichtung gegen sie übernahm.Kavallerie wurde selbst aus weiter Ferne heranbefohlen; denn derKaiser lebte in der irrigen Vorstellung, daß der Krieg in Polen ,worunter er weite sandige Ebenen verstand, hauptsächlich mit dieserWaffe geführt werden müßte.

Er stimmte seine Anforderungen an die Vorbereitung undAusrüstung der nachgesandten Verstärkungen erheblich herab. Esgenügte ihm, wenn sie bekleidet und für den bevorstehenden Winter-seldzug mit Mänteln versehen waren.

Trotzdem konnten die angeordneten Maßregeln erst allmählichwirksam werden. Die unerwartet großen Entfernungen, über dieder Krieg sich ausdehnte, hatten dies zur Folge.

Dennoch zögerte Napoleon keinen Augenblick, den neuen Feld-zug einzuleiten. Am 2. November, also zu einer Zeit, da dasSchicksal des Blücherschen Unternehmens noch ungewiß war, schob erDavout von Berlin her auf Posen vor, am 6. folgte Augereau, am 8.Lannes von Stettin aus. Sorgfältige Maßregeln wurden für die Ver-pflegung des Heeres während des Weitermarsches nach Osten getroffen.

Als die Nachricht einging, daß die russischen Truppen diepreußische Grenze überschritten hätten und in Bewegung blieben,hielt er seine Streitkräfte vorübergehend bei Posen an. Erschmeichelte sich noch mit der Hoffnung, daß der neue Gegner naheherankommen und sich durch den beabsichtigten energischen Stoßschnell aus dem Felde schlagen lassen werde.